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Australische Rotrückenspinne: Mit Rückwärtssalto gegen den Tod nach dem Sex

Manche Spinnen fressen ihre Partner nach der Paarung. Die Männchen einer australischen Art verringern das Risiko mit einem speziellen Trick, den sie vererben.
Eine schwarze Spinne mit einem markanten roten Streifen auf ihrem Rücken sitzt auf einem Netz, das zwischen trockenen Blättern gespannt ist. Die Spinne ist in einer natürlichen Umgebung zu sehen, die Details des Netzes und der Blätter sind deutlich erkennbar. Der Hintergrund ist unscharf, was den Fokus auf die Spinne und ihr Netz lenkt.
Die Weibchen der australischen Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti) fressen ihre Partner nach der Paarung. Sie können das Sperma speichern und damit über einen Zeitraum von zwei Jahren Eier befruchten.

Männchen einer australischen Spinnenart haben einen sportlichen Trick entwickelt, um die Paarung zu überleben. In der Spinnengattung der Echten Witwen ist es üblich, dass die Weibchen ihren Partner nach dem Sex fressen. Das Wissen um die lebensrettende Finte vererben die Männchen an ihre Nachkommen weiter, wie Biologen der Universitäten Hamburg, Trier und Rostock herausgefunden haben. Für ihre Untersuchungen haben die Forscher die australische Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti) – das ist die mit dem sportlichen Trick – mit der eng verwandten, neuseeländischen Roten Katipo (Latrodectus katipo) mehrfach gekreuzt.

Die australischen Rotrückenspinnen-Männchen vollführen beim Sex eine Art Rückwärtssalto in die Giftzähne des Weibchens. Gleichzeitig verengt sich der Hinterleib so stark, dass der Biss des Weibchens weniger tödlich ist. Dadurch steigen die Überlebenschancen und sie können sich ein zweites Mal mit dem Weibchen paaren. Die Männchen der neuseeländischen Roten Katipo springen dagegen keinen Salto und der Hinterleib verengt sich nicht. Die Weibchen dieser Art töten und fressen ihre Partner allerdings auch nicht.

»Da sich die beiden Arten erst vor etwa 100 000 Jahren voneinander getrennt haben, bietet ihr unterschiedliches Paarungsverhalten eine Möglichkeit, die genetischen Grundlagen dieser Verhaltensmuster zu untersuchen«, sagte die Biologin und Erstautorin Kardelen Özgün Uludağ von der Universität Hamburg. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift »Biology Letters« veröffentlicht.

Gene steuern das ungewöhnliche Verhalten

Die beiden Spinnenarten wurden mehrfach gekreuzt: Erst die neuseeländischen Weibchen mit den australischen Männchen, dann die daraus hervorgegangenen Hybrid-Weibchen mit Männchen einer der beiden Arten. So entstanden den Angaben zufolge Männchen mit unterschiedlichen Kombinationen des Erbguts beider Arten.

Diese dritte Generation der Männchen wurde dann wiederum mit Weibchen der für sie ungefährlichen, neuseeländischen Art gepaart. »Fast die Hälfte der Männchen der dritten Generation vollführte ebenfalls Saltos, zeigte aber keine Verengung des Hinterleibs«, sagte die Co-Autorin und Biologin Jutta Schneider.

Das spreche dafür, dass die beiden Merkmale genetisch weitgehend unabhängig voneinander vererbt werden – zum Beispiel, weil sie auf unterschiedlichen Chromosomen liegen oder auf demselben Chromosom weit voneinander entfernt sind. Die Wissenschaftler wollen nun erforschen, welche konkreten Gene dieses ungewöhnliche Verhalten steuern und wie sich diese im Verlauf der Evolution entwickelt haben. (dpa/kmh)

  • Quellen

Uludağ, K. et al., Biology Letters 10.1098/rsbl.2026.0211, 2026

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