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News: Männer hören nur links zu

'Du hörst mir ja überhaupt nicht zu', werfen viele Frauen ihren Männern vor. Vielleicht liegt das ja daran, dass diese nur die falsche Gehirnhälfte aktiviert haben. Nach neuen Erkenntnissen benutzen nämlich Männer beim Zuhören nur die linke Seite des Gehirns, wohingegen Frauen beide Seiten einsetzen.
Männer und Frauen sind verschieden, das ist klar. Mediziner und Wissenschaftler suchen seit langem nach erkennbaren Unterschieden zwischen den Gehirnen von Männern und Frauen. Sofern es typisch weibliche und typisch männliche Denk- und Verhaltensmuster, sowie geschlechtsspezifisch besonders stark ausgeprägte Fähigkeiten gibt, sollte sich das im Zentralnervensystem unter Umständen auch durch spezifische, morphologische Merkmale ausdrücken. Bisher ist die Forschung auf diesem Gebiet nicht sehr weit gekommen. Doch wie Wissenschaftler jetzt festgestellt haben, werden bei Männern und Frauen wenigstens zum Hören unterschiedliche Gehirnbereiche aktiviert.

"Unsere Untersuchung lässt vermuten, dass die Sprachverarbeitung bei Männern und Frauen unterschiedlich abläuft, aber das heißt nicht unbedingt, dass die Ergebnisse anders sind", meint Joseph T. Lurito Radiologe von der Indiana University School of Medicin. Die Studie seines Teams stellte er jetzt bei der Jahrestagung der Radiological Society of North America vor.

Lurito und seine Kollegen unterzogen je zwanzig Männer und Frauen einer Magnetresonanz-Tomographie, während diese einen Auszug aus einem Roman zu hören bekamen. "In fast allen Fällen zeigte sich bei den Männern ausschließlich im linken Temporallappen Aktivität", sagt Lurito. Mit diesem auch Lobus temporalis genannte Gehirnbereich wird Riechen, Schmecken, Hören und Sprachempfinden verbunden, nicht aber das Sprechen. Bei der Mehrheit der Frauen konnten die Forscher in den Temporallappen auf beiden Seiten des Gehirns Aktivitäten beobachten, wenn auch die meiste Aktivität von der linken Hälfte ausging. Der rechte Lobus temporalis ist hauptsächlich für die Hör- und Sprach-Funktionen zuständig.

Nach Aussage der Wissenschaftler könnten die Ergebnisse für weitere Forschungen nützlich sein, die klären sollen, wie Männer und Frauen sich von Gehirn-Verletzungen oder -Tumoren erholen. Für Gehirnchirurgen wären dies wichtige Informationen. Sie könnten dann besser entscheiden, welche Gehirnareale sie bei Männern und Frauen meiden sollten. Wie Lurito angibt, wurden geschlechtsspezifische Karten dieser Hör-Zentren im Gehirn bereits bei Operationen von vier Patienten eingesetzt, die Funktionsstörungen in diesen Bereichen hatten.

Die Radiologen wollen die beobachteten Aktivitäten auf beiden Seiten des weiblichen Gehirns noch genauer untersuchen, um zu ergründen, ob sie damit Unterschiede bei der Sprachentwicklung von Männern und Frauen klären können. Vielleicht liegt hier ja auch die Lösung dafür, dass Frauen eher "multitasking-fähig" sind: Sie können zuhören, während sie etwas ganz anderes tun.

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