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News: Männer sind einfach anders

Wissenschaftler wundern sich schon länger darüber, dass Schizophrenie bei Männern und Frauen verschieden ausgeprägt ist und auch der Behandlungserfolg je nach Geschlecht unterschiedlich ausfällt. Bisher war nicht klar, ob es sich dabei nur um Varianten innerhalb einer gewissen Bandbreite handelt, oder ob die Unterschiede vielleicht sogar tiefer liegen. Neue Untersuchungsergebnisse mithilfe moderner Bildgebungsverfahren unterstützen die zweite Vermutung.
Bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit einer schizophrenen Erkrankung doppelt so groß wie bei Frauen. Die Betroffenen leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, emotionalen Abhängigkeiten und Halluzinationen. Außerdem bricht die Krankheit bei Männern früher im Leben aus, beeinträchtigt ihr Wahrnehmungsvermögen deutlich stärker und kann auch nicht so gut medikamentös behandelt werden.

Schon seit längerem wird daher darüber gerätselt, inwieweit Schizophrenie geschlechtsspezifisch ist. Nun konnten Godfrey Pearlson und seine Mitarbeiter von der Johns Hopkins University mit modernen Bildgebungsverfahren tatsächlich Unterschiede bei Männern und Frauen feststellen (American Journal of Psychiatry vom März 2000). Mit funktioneller Magnetresonanzspektroskopie verglichen sie die Größe des unteren Scheitellappen von dreißig männlichen und weiblichen Erkrankten und dreißig vergleichbaren Kontrollpersonen. Diese Region ist an höheren kognitiven Funktionen wie Sprache, Aufmerksamkeit und räumlicher Wahrnehmung beteiligt.

Die Wissenschaftler entdeckten, dass der linke untere Scheitellappen (Lobus parietalis) bei den männlichen Schizophrenie-Patienten um etwa 16 Prozent kleiner ist als der rechte – bei gesunden Männern ist es genau umgekehrt. Bei den Frauen konnten sie dagegen keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Martha Shenton und ihre Mitarbeiter von der Harvard Medical School in Boston konnten die Größenunterschiede sogar noch genauer eingrenzen. Ihren Ergebnissen zufolge betreffen sie vor allem den Gyrus angularis, das Zentrum für Lese-, Schreib- und Rechenfunktionen.

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