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Männerfreundschaften: Bloß keine falschen Signale senden!

Viele Männer verabreden sich gern miteinander zum Sport oder Computerspielen. Nicht nur deshalb, weil das ihren eigenen Vorlieben entspricht – sondern weil ihnen diese Aktivitäten gänzlich unromantisch erscheinen.
Zwei junge Männer sitzen nebeneinander im Kino; einer trocknet dem anderen mit einem Taschentuch Tränen aus dem Gesicht. Beide wirken emotional bewegt.
Ein eher ungewöhnliches Bild, zumindest in konventionellen Männerfreundschaften.

In Männerfreundschaften sind typische Pärchenaktivitäten eher verpönt als unter Freundinnen. Das ergab eine Versuchsreihe mit mehr als 3000 Erwachsenen in den USA, Großbritannien und Singapur. Die Forscherinnen sehen darin einen Hinweis auf Homophobie: »Männer meiden Erlebnisse mit romantischen Konnotationen aus Angst, als schwul wahrgenommen zu werden«, schreiben Sherrie Xue, Stephanie Lin und Christilene du Plessis, drei Wirtschaftswissenschaftlerinnen aus Singapur, in der Fachzeitschrift »Psychological Science«.

In der ersten Studie bekamen (mehrheitlich heterosexuelle) Männer und Frauen zehn verschiedene Aktivitäten vorgelegt, etwa ins Kino oder ins Museum gehen, gemeinsam essen, wandern oder Kajak fahren. Wie wahrscheinlich würden sie diese Unternehmung einer befreundeten gleichgeschlechtlichen Person vorschlagen oder von dieser Person eine solche Einladung annehmen? Und als wie typisch für ein romantisches Date stuften sie die entsprechende Aktivität ein?

Männer vermieden es häufiger als Frauen, mit gleichgeschlechtlichen Freunden etwas zu unternehmen, was typisch für ein Date wäre – selbst, wenn diese romantische Assoziation nicht stark war. Vor allem ging es ihnen darum, nicht selbst dazu einzuladen. Aber sie lehnten entsprechende Einladungen auch eher ab als Frauen. Wenn es dagegen darum ging, mit Freunden des anderen Geschlechts Zeit zu verbringen, so unterschieden sich die Antworten der Männer nicht bedeutsam von denen der Frauen.

Ähnliches beobachteten die Forscherinnen in einem Feldexperiment in Singapur. Sie luden gleichgeschlechtliche Zweiergruppen auf einem Campus zu einem Freigetränk ein, wobei die Probandinnen und Probanden stets zwischen Grüntee oder zwei kleinen Flaschen Mineralwasser wählen konnten. 62 Prozent der Männer entschieden sich für Grüntee, wenn es davon ebenfalls für jeden eine kleine Flasche gab. Aber nur 28 Prozent zogen eine große Flasche Grüntee den Mineralwasserflaschen vor. Mehr als die Hälfte derer, die wohl eigentlich lieber Grüntee getrunken hätten, verzichteten demnach darauf, wenn sie sich eine große Flasche hätten teilen müssen. Bei den Frauen galt das nur für jede vierte: Für zwei kleine Flaschen Grüntee entschieden sich 49 Prozent, für eine große Flasche 39 Prozent.

Männerfreundschaften leiden unter Homophobie 

Noch erstaunlicher waren die Ergebnisse eines Experiments, bei dem die Versuchspersonen zwischen zwei Optionen wählen konnten: Wollten sie lieber einen Kurzfilm für ein Honorar von 10 Dollar allein ansehen – oder denselben Film für 20 Dollar gemeinsam mit einer gleichgeschlechtlichen Person angucken? Handelte es sich um den Liebesfilm »The Notebook«, wählten 69 Prozent der Frauen die besser bezahlte gemeinsame Option, aber nur 43 Prozent der Männer. Bei einer Sportdokumentation dagegen entschieden Männer und Frauen ähnlich. Eine weitere Teilstudie zeigte: US-amerikanische Männer würden sogar lieber einen »femininen« Film wie »Barbie« zusammen mit einem anderen Mann sehen als einen romantischen Film wie »The Notebook«.

Die Ergebnisse galten auch dann, wenn man nur die heterosexuellen Teilnehmer in die Analysen einbezog. Die Zahl der homo- und bisexuellen Versuchspersonen war meist zu klein, um für diese Teilstichprobe getrennt auszuwerten. Eine Anschlussstudie ergab außerdem: Homo- und heterosexuelle Männer sorgten sich, dass eine romantische Aktivität von einer gleichgeschlechtlichen Person als Annäherungsversuch fehlinterpretiert werden könnte.

Die Forscherinnen schließen daraus, dass Männer nicht schwul erscheinen oder falsche Signale senden wollen – das sei ihnen sogar wichtiger, als unmännlich zu wirken. Gesellschaftliche Erwartungen würden dazu beitragen, schreiben sie. Diese »implizite Homophobie« schränke Männer nicht nur in ihren Unternehmungen ein: Auch ihre Freundschaften würden darunter leiden.

  • Quellen
Xue, S.Y. et al., Psychological Science 10.1177/09567976251396084, 2025

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