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Artenschutz: Mäuse lernen Jagd auf Albatrosse

Auf der Atlantikinsel Gough töten und fressen Hausmäuse (Mus musculus) gesunde Küken der bedrohten Tristan-Albatrosse (Diomedea dabbenena) und bringen dieses Verhalten anscheinend ihren Jungen bei. Dies beobachteten die beiden Wissenschaftler Ross Wanless und Andrea Angel von der Universität Kapstadt und dokumentierten es auch filmisch, nachdem sie sich gewundert hatten, dass in manchen Bereichen der Insel mehr als achtzig Prozent der Nestlinge starben.

Die vor wenigen Jahrzehnten versehentlich eingeschleppten Nagetiere greifen dabei die 200 Mal so großen Küken an und beißen diese immer wieder an den gleichen Stellen, bis die Tiere durch Verbluten oder Infektionen sterben. Da die Vögel bis zur Ankunft der Menschen keine Säugetiere fürchten mussten, entwickelten sie auch keine Abwehrmaßnahmen. Die Mehrzahl dieser Attacken findet während der Wintermonate statt, wenn Samen und Insekten – die übliche Nahrung der Säuger – knapp werden.

Da diese Angriffe allerdings seit Jahren nur auf manchen Berggipfeln der Insel stattfinden, die Mäuse und Vögel aber unter gleichen Bedingungen und gleicher Dichte auf dem ganzen Territorium beheimatet sind, vermuten die Wissenschaftler, dass die nun Fleisch fressenden Nager dieses Verhalten von Generation zu Generation weitergeben. Damit hätten die Forscher gleich zwei niemals zuvor nachgewiesene Verhaltensweisen von Hausmäusen entdeckt, denn bislang waren weder Jagd zu Nahrungszwecken auf größere Tiere noch die Übertragung dieser Fähigkeiten auf die nächste Generation bekannt.

Neben den Albatrossen, von denen nur maximal etwa 15 000 Tiere leben, werden auch Kappensturmtaucher (Puffinus gravis) und Schlegelsturmvögel (Pterodroma incerta) angegriffen. Die Ökologen wollen nun zum Schutze der zwanzig Seevogelarten und anderer endemischer Spezies der Insel Gough wieder mäusefrei machen. Bereits in den 1970er Jahren gelang es dort, verwilderte Katzen auszurotten.
20.07.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20.07.2005

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