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Pulsare: Magnetar meldet sich im Radiowellenbereich

Was von einem Stern am Ende seines Lebens als Sonne übrig bleibt, hängt vor allem von seiner Masse ab. Verfügt er über große Mengen Materie, kollabieren die Reste nach der Supernova genannten Explosion zu einer kompakten Kugel mit etwa 15 Kilometern Durchmesser, in denen eine Dichte wie in einem Atomkern herrscht. Solch ein Neutronenstern rotiert häufig schnell um seine eigene Achse, wobei er entlang seiner magnetischen Feldlinien Strahlung im Radiowellenbereich aussendet. Rund 1700 derartige Pulsare haben Astronomen bislang entdeckt. Wie das Licht eines Leuchtturms bestreicht ihre Strahlung in äußerst regelmäßigen Zyklen die Erde.

Eine besondere Klasse unter den Pulsaren zeichnet sich dadurch aus, dass sie anstelle von Radiowellen die viel energiereichere Gammastrahlung aussendet. Hinter solchen Emissionen vermuten Wissenschaftler deutlich kräftigere Magnetfelder, die einhundert bis eintausend Mal so stark wie jene gewöhnlicher Pulsare sind. Nicht mehr als ein Dutzend dieser Magnetare hat man bislang gefunden. Und da sie im Radiobereich still sind, sah man sie als weit gehend andersartige Objekte als ihre Radiokollegen an.

Diese Unterscheidung gerät nun auf Grund von Beobachtungen eines Teams um Fernando Camilo von der US-amerikanischen Columbia-Universität ins Wanken. Die Astronomen wiesen mit dem Very Large Array – einem Radioteleskop in Neu Mexiko – nach, dass der Magnetar XTE J1810-197 im Sternbild Sagittarius (Schütze) seit kurzem auch im Radiobereich strahlt. Zwar sind die Pulse eher unregelmäßig, erreichen aber zuverlässig alle 5,5 Sekunden die Erde.

Die Gründe für die unerwartete Strahlung liegen momentan noch im Dunkeln. Möglicherweise liegt es an Verdrillungen im ultrastarken Magnetfeld des Magnetars, die lokale elektrische Ströme verursachen, welche wiederum die Radiowellen hervorrufen. Mit weiteren Beobachtungen hoffen die Wissenschaftler, die Abläufe besser zu verstehen. Doch sie müssen sich beeilen – im Gammastrahlenbereich wird XTE J1810-197 bereits schwächer, und vermutlich nehmen auch die Radiowellen an Intensität ab.
24.08.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 24.08.2006

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