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Experimentelle Augen-OP: Magnete fixieren Augenzittern

Wenn die Augen unwillkürlich dauerhaft zittern, greift oft keine medikamentöse Hilfe. Aber technische schon, wie nun eine Fallstudie aus London zeigt.
Der Magnet (rot) wurde am unteren Rand des Auges befestigtLaden...

Unwillkürliches Augenzittern – medizinisch als pathologischer Nystagmus bezeichnet – entsteht in der Regel durch Schäden an tief liegenden Hirnregionen. Die winzigen Muskelbewegungen, die normalerweise korrektes Sehen überhaupt erst ermöglichen, treten dann dauerhaft auf, selbst in Ruhe, was mitunter zu erheblichen Wahrnehmungsproblemen führt. Medikamentös lässt sich der Nystagmus nur schwer behandeln. Einen britischen Patienten brachte die Krankheit um seine Arbeitsstelle als Kraftfahrer und schließlich, nach Jahren gescheiterter Therapieversuche, in die Klinik des University College London: Der Mittfünfziger bat um eine experimentelle Behandlung.

Die konnte das Team um Parashkev Nachev schließlich liefern. Sie implantierten einen Magneten im Augapfel des Mannes und ein Gegenstück im direkt benachbarten Schädelknochen. Die Idee hinter ihrer "magnetischen Prothese" ist es, den Ausschlag der Zuckungen zu dämpfen, aber dem Patienten gleichzeitig die Möglichkeit zur bewussten Augenbewegung zu lassen.

Wie sie nun, fünf Jahre nach dem Eingriff, im Journal "Ophthalmology" schreiben, war der Eingriff erfolgreich. Der Nystagmus sei messbar zurückgegangen – so weit, dass der Patient wieder einen Beruf aufnehmen konnte, wenn auch nicht als Fahrer.

Auf die Idee zur Magnettherapie ist das Team selbst allerdings nicht gekommen. Ersonnen hat sie Harley Bicas, ein Augenarzt aus Brasilien. Nachev und Kollegen verwendeten für ihren Versuch Magnete aus Seltenerdmetallen, die sie aus Gründen der Körperverträglichkeit in ein Titangehäuse einbetteten. Beide Magnete waren scheibenförmig und hatten Durchmesser von drei bis vier Millimetern bei einer Dicke von einem bis zwei Millimetern.

Der Eingriff selbst sei chirurgisch recht unproblematisch und in einer halben Stunde erledigt, erklären sie. Nebenwirkungen seien nicht zu beobachten gewesen. Allerdings warnen sie davor, sich mit im Auge implantierten Magneten in den Magnetresonanztomografen zu legen. Warum, illustriert zum Beispiel dieses Video.

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