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Evolution: Malariaerreger entwickelt Tarnung vor Schnelltests

Der Plasmodium-Parasit zeigt eine ungewöhnliche Form der »Resistenz« gegen eine Bekämpfungsstrategie. Grund ist der Erfolg der Maßnahmen. Sie lassen den Erreger evolvieren.
Bluttest auf Malaria bei einem kleinen Kind.

Einen ungewöhnlichen evolutionären Schutzmechanismus haben Fachleute beim Parasiten Plasmodium falciparum, dem Erreger der Malaria, entdeckt. Der Einzeller entzieht sich seiner Bekämpfung durch die Medizin, indem er für gängige Schnelltests unsichtbar wird. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Sindew M. Feleke vom Äthiopischen Institut für öffentliche Gesundheit in Addis Abeba. Laut ihrem Bericht in »Nature Microbiology« fehlen mehr als einem Fünftel der Malariaerreger in dem ostafrikanischen Land die Gene für die von Schnelltests detektierbaren Proteine HRP2 und HRP3. Außerdem zeigt die betroffene Region des Parasitengenoms Indizien dafür, dass die Ursache natürliche Selektion ist. Die Fachleute warnen deswegen, dass die Bekämpfung von Malaria mit Hilfe solcher Schnelltests bald nicht mehr effektiv sein könnte.

Diagnostische Schnelltests sind eine wesentliche Komponente der Malariabekämpfung in jenen Teilen der Welt, in denen die Krankheit endemisch ist. Bei der 2012 von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen T3-Strategie (test-treat-track) werden Fälle mit solchen Schnelltests systematisch identifiziert, gezielt mit geeigneten Medikamenten behandelt und in einem zentralen Überwachungssystem erfasst. In einigen Ländern, darunter auch Äthiopien, erzielte die Strategie beeindruckende Erfolge gegen die Krankheit. Allerdings berichten Fachleute immer wieder von Malariaerregern, denen die vom Schnelltest erfassten Proteine fehlen und die deswegen »unsichtbar« sind. Solche Fälle werden oft nicht behandelt, denn in vielen Ländern ist ein positiver Test Voraussetzung für die Behandlung.

Die Ergebnisse des Teams um Feleke zeigen nun, dass es sich bei diesen unsichtbaren Malariavarianten keineswegs bloß um verstreute Einzelfälle handelt. Der hohe Anteil der Erreger ohne HRP2 und 3 in den untersuchten Regionen Äthiopiens deutet darauf hin, dass Plasmodium als Reaktion auf die T3-Kampagne evolviert und dabei Varianten hervorbringt, die die Bekämpfung umgehen. Darauf deuten auch die Anzeichen für sehr starke positive Selektion im Erbgut des Erregers hin.

Bemerkenswert daran ist, dass der Erreger nicht – wie in vielen anderen ähnlichen Fällen – resistent gegen die eingesetzten Medikamente wird, sondern sich den Schnelltests entzieht. Ursache ist die enge Verbindung zwischen diesem spezifischen Testverfahren und der Behandlung mit Medikamenten. Der Befund bedeutet nicht nur, dass die Teststrategien gegen Malaria überarbeitet werden müssen. Er zeigt auch allgemein, dass auf diagnostischen Tests basierende Strategien unter bestimmten Umständen von Krankheitserregern unterlaufen werden können, indem diese »resistent« gegen die Testverfahren werden.

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