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DNA-Spuren: Mammuts existierten wohl länger als gedacht

Im kanadischen Nordwesten könnten Wollhaarmammuts tausende Jahre länger ausgeharrt haben, als fossile Reste bezeugen. Das legen Spuren ihrer DNA im Permafrost nahe.
Illustration der Tier- und Pflanzenwelt während des späten Pleistozäns in der Region um den Yukon- und Klondike-Fluss.

Womöglich streiften noch vor ungefähr 5700 Jahren Wollhaarmammuts im Nordwesten des nordamerikanischen Kontinents umher – tausende Jahre später, als die jüngsten fossilen Reste nahelegen. Auch Wildpferde lebten um diese Zeit wohl noch in der Region. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe um Tyler Murchie und Hendrik Poinar von der McMaster University in Hamilton, Kanada, indem sie DNA-Spuren aus dem Permafrostboden auswertete.

Für seine Studie, die das Team nun in »Nature Communications« veröffentlichte, hat es Bohrkerne in einer Region unweit des Klondike River im kanadischen Territorium Yukon entnommen. Aus den Sedimenten des Permafrosts filterten die Forscher DNA-Fragmente heraus, die aus einem Zeitraum von vor 30 000 bis 4000 Jahren stammen. Anhand der Genschnipsel identifizierten sie zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wie Mammuts, Bisons, Wildpferde, auch wenige Raubtiere wie Grauwölfe und Marder.

Vor 20 000 Jahren begannen die Populationen der Megafauna zu schrumpfen, vor allem die Wollhaarmammuts scheinen rapide zurückgegangen zu sein. Zu einem Einbruch der eiszeitlichen Tierpopulationen kam es zwischen zirka 14 000 und 10 000 Jahren vor heute, als sich das Klima wandelte. In jener Phase veränderte sich die Vegetation merklich. Die Grassteppe wich Sträuchern. In ihren Proben entdeckte die Forschergruppe allerdings weiterhin, wenn auch wenige Genreste von Mammuts und Wildpferden. Die letzten sind zirka 5700 Jahre alt, die jüngsten Fossilien hingegen rund 7000 Jahren älter.

»Womöglich haben kleine Populationen in abgelegenen Nischen überlebt, in einer Größe, die zu gering ist, als dass sie durch Fossilien belegt ist«, schreiben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in ihrer Studie. Dass die Megafauna verschwand, war vermutlich mehreren Faktoren geschuldet. Meist benennen Forscher Klimaveränderungen oder das Auftreten der ersten Menschen auf dem amerikanischen Kontinent. Anderswo sind isolierte Populationen von Wollhaarmammuts nachgewiesen: Auf der russischen Wrangelinsel im Arktischen Ozean und auf der Sankt-Paul-Insel im Beringmeer lebten noch vor 4000 beziehungsweise 5500 Jahren Mammuts. Beide Orte wurden einst durch steigendes Meerwasser vom Festland abgeschnitten.

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