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Olfaktorische Orientierung: Manche Hautbakterien locken Malariamücken zum Menschen

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Am häufigsten wird Malaria durch die Stechmücke Anopheles gambiae auf den Menschen übertragen: Der nachtaktive Blutsauger erkennt seine menschliche Beute vor allem am Geruch und infiziert ihn dann beim Stechakt. Malariaforscher interessiert seit Langem, ob man dem anfliegenden Überträger die Orientierung erschweren könnte, indem man die für die Mücken besonders attraktiven Komponenten des Geruchs übertüncht oder blockiert. Das gestaltet sich aber vor allem dadurch schwierig, dass der Duft des Menschen und damit seine olfaktorische Attraktivität von unübersichtlich vielen Faktoren beeinflusst wird – besonders auch, wie Forscher nun bestätigen, von der Zusammensetzung der Bakterienkolonien auf der Haut.

Die Wissenschaftler um Willem Takken von der Wageningen University in den Niederlanden haben dies untermauert, indem sie den für Anopheles unterschiedlich attraktiven Geruch von 48 männlichen Freiwilligen analysiert haben [1]. Dabei interessierte sie besonders die Bakterienmischung auf der Haut der Probandenfüße. Schweiß ist zunächst – mindestens für die menschliche Nase – geruchlos: Erst wenn verschiedene Keime seine Bestandteile zu flüchtigen Stoffen umbauen, entsteht ein charakteristisches Bukett.

Takken und Kollegen identifizierten nun die Bakterienarten, die einen für die Mücken besonders anregenden Duftcocktail produzieren, anhand ihrer charakteristischen ribosomalen RNA-Sequenzen. In als "hochattraktiv" eingestuften Proben, auf die die Mücken besonders intensiv flogen, fanden sich dabei stets besonders viele Bakterien. Allein die Masse an Keimen war aber nicht entscheidend, sondern die Zusammensetzung der Kolonien: Vor allem Staphylococcus-Arten sorgen offenbar für die anlockenden Duftkomponenten, während sich Corynebacteria, Micrococcus oder Propionibacteria – alles typische Siedler auf der menschlichen Haut – in ähnlichen Mengen als nicht so attraktiv erwiesen.

Insgesamt seien Menschen mit einer weniger dichten, dafür aber vielseitigen Haut-Bakterienfauna demnach weniger gefährdet, von Mücken angeflogen zu werden. Je mehr Staphylococcus-Arten aber auf der Haut siedeln, desto attraktiver wird diese offenbar für Mücken – was eine frühere Untersuchung bestätigt, nach der flüchtige Komponenten von Staphylococcus epidermidis tatsächlich Moskitos anregt [2].

Pseudomonas-Keime produzieren dagegen vielleicht sogar einen abschreckenden Duftstoff, ihre Wirte werden daher womöglich seltener gestochen, spekulieren die Wissenschaftler. Sie geben allerdings zu bedenken, dass noch viel detailliertere Untersuchungen nötig sind: Der Duft eines Individuums wird noch durch viele weitere Faktoren beeinflusst. Womöglich könnte man im bakteriellen Bukett dennoch attraktive Komponenten entdecken, die dann in Mückenfallen eingesetzt werden – oder eben sogar Substanzen, die die Plagegeister abschrecken und als Basis neuer Repellents dienen. Leider, so die Forscher, unterscheiden sich verschiedene Mücken aber wohl sehr hinsichtlich ihrer Duftvorlieben: Gelb- oder Denguefieber übertragende Insekten könnten demnach auf andere Stoffe ansprechen als die Malariamücken.

1. KW 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 1. KW 2012

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