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Folgenreiche Kontamination: Manche Mikroorganismen könnten selbst auf dem Mond überleben

Einige Mikroben von der Erde haben möglicherweise auch am Südpol des Mondes gute Überlebenschancen. Das könnte bei bemannten Missionen zu Problemen führen.
Eine detaillierte Nahaufnahme des Mondes, die seine Krater und dunklen Meere zeigt. Die Oberfläche ist klar sichtbar mit verschiedenen Schattierungen von Grau, die die topografischen Merkmale hervorheben. Der Hintergrund ist schwarz, was den Fokus auf den Mond verstärkt.
Der Mond ist für Menschen ein eher lebensfeindlicher Ort. Manche Mikroorganismen könnten sich da bedeutend besser schlagen.

Geht es nach dem Willen der NASA, sollen bis zum Jahr 2028 wieder Menschen auf dem Mond landen. Doch solche Missionen könnten unabsichtlich Mikroorganismen mitbringen, die auch auf der Mondoberfläche überleben.

In einer im Fachmagazin »Science Advances« veröffentlichten Studie fanden NASA-Forscher Hinweise darauf, dass einige Mikroorganismenarten, die sich auch bei den kommenden Artemis-Mondmissionen an Bord befinden könnten, am Südpol des Mondes lebensfähig wären. Auf der Erde sind diese winzigen Lebewesen sehr widerstandsfähig gegenüber extremen Lebensbedingungen wie enormer Kälte. Sie hätten also durchaus Chancen, wenn sie in Bereiche des Mondes gelangen, die nie direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Solche permanent beschatteten Regionen (PSRs, von »permanently shadowed regions«) liegen meist in großen Kratern und könnten Wassereis enthalten, was sie zu vielversprechenden Standorten für die geplanten Mondbasen der NASA macht. Doch es gibt noch andere, kleinere Schattenbereiche, die für Mikroben ebenfalls geeignete Lebensräume bieten würden, erklärt Prabal Saxena, NASA-Forscher und Co-Autor der Studie. »Da die Sonne in den Polarregionen nie hoch am Himmel steht – weil die Mondachse anders als die Erde annähernd senkrecht zur Erdbahn steht –, kann schon der Fußabdruck eines Astronauten ausreichen, um eine Mini-PSR zu schaffen.«

Der Südpol des Mondes ist ein Ort der Extreme: Die Temperaturen schwanken dort zwischen etwa –201 Grad Celsius im Schatten und bis zu 54 Grad Celsius in sonnenbeschienenen Bereichen. Während die Kälte für Menschen ohne Schutzausrüstung tödlich wäre, kämen viele Mikroorganismen problemlos mit ihr zurecht. Statt zu sterben, würden sie lediglich in eine Art von Winterschlaf fallen, in dem sie sich nicht mehr vermehren können. Gleichzeitig würden die PSRs die Mikroben vor extremer Hitze und Strahlung schützen.

Eingeschleppte Mikroben erschweren die Forschung

Sollten solche Mikroorganismen tatsächlich von der Erde zum Mond gelangen, bestünde die Gefahr, die Oberfläche unseres Trabanten zu kontaminieren und damit seine Erforschung erheblich zu behindern. »Ein Großteil dessen, was wir mit Artemis erreichen wollen, ist, den Mond, seine Geschichte und seine Verbindung zur Erde besser zu verstehen«, sagt Heather Graham, Geochemikerin bei der NASA und ebenfalls Mitautorin der Studie. »Der Mond ist ein Fenster zur frühen Erde. Wenn wir ihn so betrachten wollen, müssen wir sicherstellen, dass wir chemische Signale betrachten, die auch wirklich vom Mond stammen, und nicht durch unsere eigenen Aktivitäten vor Ort verfälscht werden.«

Praktische Fragen spielen ebenfalls eine Rolle: Astronauten sollen im Rahmen der Artemis-IV-Mission erstmals 2028 den Mond nach Jahrzehnten wieder betreten, bis zum Jahr 2036 plant die NASA eine dauerhafte Mondbasis. Um beispielsweise Nahrungsmittel auf dem Mond anbauen zu können, müssen die Astronauten die genaue chemische Zusammensetzung des Mondbodens kennen – ohne Kontaminationen.

Saxena, Graham und ihre Kollegen schauten sich für ihre Untersuchung Vertreter von drei Bakteriengattungen (BacillusDeinococcus und Staphylococcus) und zwei Pilzgattungen (Aspergillus und Fusarium) an. Sie wählten dabei bewusst Mikroorganismen aus, die quasi »von der Straße« stammen und deshalb besonders leicht an Bord eines Mondfahrzeugs gelangen könnten. Die Bakterien seien bei der Reinigung mitunter schwer aus Raumfahrzeugen zu entfernen und bereits auf der Internationalen Raumstation gesichtet worden, berichten die Forscher. 

Umgekehrt könnten es natürlich auch spannende neue Forschungsperspektiven eröffnen, wenn Mikroorganismen von der Erde auf dem Mond überleben. »Die Polarregionen sind fast eine eigene Welt«, erklärt Saxena. »Sie sind so einzigartig, dass sie eine Art faszinierendes, natürliches Labor für Mikrobiologie, Exobiologie und Biochemie bieten – für Prozesse, die man mit dem Mond bisher kaum in Verbindung gebracht hat.«

  • Quellen

Saxena, P. et al., Science Advances 10.1126/sciadv.aec0811, 2026

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