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News: Manchmal hilft auch Optimismus nicht

Seit Jahren reden die Leute über die Kraft des positiven Denkens, das ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden fördert. Eine neue Forschungsarbeit vertritt jedoch die These, daß es möglicherweise wichtiger sein könnte, negatives Denken zu vermeiden.
Eine Studie, an der 224 Erwachsene mittleren bis höheren Alters beteiligt waren, kam zu dem Ergebnis, daß zur Verringerung von Angstzuständen und Streß das Vermeiden von Pessimismus wichtiger sein könnte als optimistisches Denken. „Als wir Optimismus und Pessimismus getrennt untersuchten, stellte sich heraus, daß Pessimismus einen größeren Einfluß auf das Wohlbefinden hatte“, sagte Susan Robinson-Whelen von der Ohio State University.

Ältere Studien, die einen Zusammenhang zwischen Optimismus und Wohlbefinden herstellten, betrachten Optimismus und Pessimismus einfach als Gegensatz. „Forscher haben im allgemeinen Pessimismus und Optimismus in einen Topf geworfen und sämtliche [positiven] Auswirkungen auf das Wohlbefinden dem Optimismus zugute geschrieben“, sagte Robert MacCallum, Professor für Psychologie an der Ohio State University. „Aber wir fanden heraus, daß der Grad an Optimismus und Pessimismus nicht immer eng zusammenhängen muß. Es gibt gute Gründe, sie getrennt zu betrachten...Nur weil jemand nicht erwartet, daß die Zukunft Gutes bringt, können die Forscher nicht annehmen, daß er deswegen erwartet, daß ihm schlechte Dinge widerfahren werden.“

Die in der Dezember-Ausgabe vom Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte Studie war Teil eines größeren Projektes zur Überprüfung von Streß, dem Erwachsene ausgesetzt sind, die ein an der Alzheimer-Krankheit leidendes Familienmitglied pflegten. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer dieser Studie versorgten erkrankte Familienmitglieder, die andere Hälfte nicht.

Als Teil der Forschungsarbeit wurde den Teilnehmern ein Fragebogen vorgelegt, dessen Beantwortung Rückschlüsse auf optimistisches und pessimistisches Denken ermöglichen sollte. Eine Aussage, aus deren Bejahung auf optimistisches Denken geschlossen wurde, lautete: „In unsicheren Zeiten erwarte ich gewöhnlich das Beste.“ Eine entgegengesetzte Aussage war: „Wenn irgend etwas für mich schief gehen kann, dann geht es schief.“

Ein Jahr später wurden den Teilnehmern Fragebögen vorgelegt, durch die ihr subjektives Wohlbefinden beurteilt werden sollte. Die Ergebnisse zeigten, daß diejenigen, die bei der ersten Befragung in der Kategorie pessimistisches Denken eine hohe Punktzahl erzielten, eher dazu neigten, ein Jahr später über subjektiven Streß, Angst und eine schlechtere allgemeine Gesundheit zu klagen. Optimistisches Denken hatte keinen so großen Einfluß auf das individuelle Wohlbefinden. „Es ist nicht so, als ob ein optimistisches Denken überhaupt nicht zählen würde“, sagte MacCallum. „Aber Pessimismus hatte einen bedeutend stärkeren Einfluß.“

Aus der Studie ließ sich auch schließen, daß Menschen, die Angehörigen pflegen, bedeutend weniger optimistisch waren als Menschen, die dies nicht taten. Sie tendierten auch dazu, pessimistischer zu sein.

Wenn diese Ergebnisse auch nicht überraschend sein mögen, so zeigen sie doch, daß die Ereignisse des Lebens einen bedeutenden Einfluß auf den Grad an Optimismus und Pessimismus haben, sagte Robinson-Whelen: „Einige Forscher haben argumentiert, daß Optimismus ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal sei, das von Lebensereignissen nicht beeinflußt wird“, führte sie aus. „Das Argument lautete mit anderen Worten: Optimistische Menschen bleiben optimistisch, egal was in ihrem Leben passiert. Aber unsere Ergebnisse lassen darauf schließen, daß die Umgebung unsere gesamten Anschauungen beeinflußt.“

Die Ergebnisse dieser Studie weisen nach Robinson-Whelens Meinung auch darauf hin, wie wichtig es bei der Durchführung psychologischer Tests ist, eine große Vielfalt von Menschen einzubeziehen. Frühere Studien, die einen engen Zusammenhang zwischen dem Grad an Pessimismus und Optimismus gefunden hatten, seien im allgemeinen mit jungen Leuten durchgeführt worden. Zumindest bei älteren Leuten seien Pessimismus und Optimismus aber nicht eng verwandt. Dies stimme mit Entwicklungstheorien überein, die behaupten, daß junge Leute dualistischer denken als ältere Menschen.

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