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News: Manchmal ist das Beste nicht gut genug

Der Untergang der Titanic war ein Drama, das auch heute noch die Gemüter bewegt und die Kinokassen füllt. Und noch immer ist die Frage nicht restlos geklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Eine metallurgische Untersuchung von Wrackteilen weist nun nach, daß der Stahl des Ozeanriesen spröde war.
Über 1500 der insgesamt 2227 Passagiere der Titanic starben, als der Luxusliner am 14. April 1912 um 11.40 Uhr vor der Küste von Neufundland einen Eisberg streifte und am folgenden Tag um 2.20 Uhr sank.

Nach Ansicht von Professor H.P. Leighly von der University of Missouri-Rolla war der Stahl der Titanic zwar von geringerer Qualität als heutiger Stahl, doch minderwertiger Stahl war nicht der einzige Grund für die Katastrophe. Andere Faktoren – wie Fehler in der Schiffskonstruktion, die Nachlässigkeit der Mannschaft und ein Mangel an Rettungsbooten – spielten ebenso eine wichtige Rolle. „Die Schiffskonstrukteure können mit dem Finger zeigen und sagen, es sei schlechter Stahl gewesen, der zum Untergang der Titanic führte“, sagt Leighly. „Es ist so einfach, ... zu sagen: ‚Schlechter Stahl‘. Aber es ist sehr unangenehm, auf sich selbst zu zeigen und zu sagen: ‚Schlechtes Design‘.“

Der Metallurge berichtet in der Januar-Ausgabe des Journal of Metals über die Ergebnisse seiner Tests, die er an einer 100kg-Probe des Wracks vorgenommen hat. Das Material stammt von Rumpf und Schott. Es ist die bisher ausführlichste Analyse des Stahls. Die einzige vorhergehende Untersuchung war von der kanadischen Regierung in Auftrag gegeben worden und beschränkte sich auf ein Stück von der Größe einer Frisbee-Scheibe. Sie führte zu dem Ergebnis, daß der Schiffsrumpf barst, als er mit dem Eisberg zusammentraf.

Die chemischen und mechanischen Tests, welche Leighly und seine Mitarbeiter durchführten, ergaben, daß der Titanic-Stahl bei Temperaturen um den Gefrierpunkt von Wasser etwa 10mal spröder als moderner Stahl ist. Außerdem enthielt die Probe vom Wrack relativ große Mengen von Schwefel, Sauerstoff und Phosphor, was ebenfalls die Stabilität beeinflußt. Schließlich war der Anteil an Mangan – einem Element, das Stahl biegsamer und damit weniger zerbrechlich macht – sehr gering.

Doch bei allen Mängeln: Der Stahl der Titanic war der beste, den es damals gab.

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