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Das aktuelle Stichwort: Marburg-Fieber

Im Südwesten Afrikas weitet sich die durch Viren ausgelöste Marburg-Krankheit weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versucht nun, die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen.
Marburg-Virus
Mindestens 146 Menschenleben hat das Marburg-Virus nach Angaben der WHO in Angola seit dem Oktober 2004 gefordert – die höchste Zahl an Todesfällen durch den Erreger, die bislang weltweit bei einem Ausbruch registriert wurde. Es steht zu befürchten, dass Infizierte die Krankheit in die Republik Kongo verschleppen, wo Kriege sowie schlechte Zugänglichkeit und ein mehr als mangelhaftes Gesundheitssystem die medizinische Situation weiter verschärfen würden. Die WHO schult daher lokale Ärzte und das Grenzpersonal im Erkennen von Erkrankten.

Was aber steckt hinter der Krankheit, und wo kommt sie her? Das jetzt in Angola wütende Marburg-Virus ist eng verwandt mit den ebenfalls aus Afrika stammenden Ebola-Erregern und zählt wie diese zu den so genannten Filoviridae. Diese zählen zu den RNA-Viren und sind typischerweise faden-, sechskant- oder U-förmig mit unterschiedlicher Länge, aber bei allen Typen einheitlichem Durchmesser. Ihr Erbgut umfasst sieben Gene. Marburg- und Ebola-Viren lösen in der Hochphase der Erkrankung hämorrhagische Fieber aus, die je nach medizinischer Versorgung bei 25 bis 80 Prozent der Betroffenen zum Tod führen. Es gibt allerdings weder Impfstoffe noch direkt wirkende Medikamente, sodass nur die Symptome behandelt werden können.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit beträgt etwa fünf bis zehn Tage. Anfänglich macht sich das Marburg-Fieber durch plötzliches Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Erbrechen bemerkbar. Nach weiteren fünf bis sieben Tagen kommen Hautausschläge hinzu, und häufig ist dann zudem das Zentralnervensystem beeinträchtigt: Die Patienten leiden unter Verwirrtheit, Sensibilitätsstörungen sowie Lähmungen und fallen mitunter in ein Koma. Ab dem achten bis zehnten Tag nach Beginn der akuten Erkrankung können Blutungen im Magen-Darm-Trakt hinzukommen, die meist tödlich enden.

Überlebende Patienten benötigen Monate bis zur vollständigen Rekonvaleszenz. Während dieser Zeit bleiben sie infektiös, und die Viren lassen sich in Sperma oder Kammerwasser der Augen nachweisen: Übertragungen von Mensch zu Mensch geschehen während der Erkrankungs- oder Genesungsphase überwiegend durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut – besonders problematisch im Hinblick auf die häufig miserablen hygienischen Bedingungen in ländlichen Krankenstationen – oder durch Geschlechtsverkehr.

Dies sind aber nur Sekundärübertragungen: Die eigentliche Erst-Ansteckung erfolgt zumeist über die Berührung oder den Verzehr von Fleisch verseuchter Tiere. Bislang bleibt der ursprüngliche Infektionsherd ein Mysterium für die Forschung. Der erste konkret nachgewiesene Fall von Marburg-Fieber ging auf Grüne Meerkatzen (Cercopithecus aethiops) zurück, die 1967 zu Forschungszwecken in Deutschland und Jugoslawien importiert wurden. In verschiedenen Labors in Marburg – daher auch der Name des Virus –, Frankfurt und Belgrad kam es daraufhin zu einer Erkrankungswelle unter den Mitarbeitern, wobei von den mehr als dreißig betroffenen Personen schließlich sieben am hämorrhagischen Fieber starben.

Trotz der Gefährlichkeit besteht jedoch kein Grund zur Panik, denn wie die Ebola-Krankheit bricht auch das Marburg-Fieber sehr selten aus, und in der Regel verbreitet es sich in der Bevölkerung nicht weit, da die Betroffenen gegebenfalls sehr schnell sterben und die Übertragung nicht durch Tröpfcheninfektionen wie bei der Grippe abläuft. Neben dem Erstnachweis kam es 1975 in Simbabwe, 1980 in Uganda, 1987 in Kenia und 1998 in der Demokratischen Republik Kongo zu weiteren Fällen, die jedoch meist nur wenige Menschen betrafen. Ausgewiesene Hochrisikogebiete gibt es nicht, jedoch sollte in weiten Teilen Süd-, Zentral- und Ostafrikas der direkte Kontakt mit Affenblut vermieden werden.

Außerhalb Afrikas treten Marburg- und Ebola-Viren kaum auf und betreffen dann meist Labormitarbeiter, die mit Affen arbeiten oder mit kontaminierten Zellkulturen in Kontakt gerieten. Gelegentlich erkranken allerdings auch Touristen an ähnlichen Fiebern: So machte vor Jahren der Fall einer Würzburger Studentin Schlagzeilen, die sich auf einer Reise durch die Elfenbeinküste mit dem Lassa-Virus – ein weiteres RNA-Virus aus der Familie Arenaviridae – infizierte und nach ihrer Rückkehr in Deutschland verstarb. Die WHO und das Auswärtige Amt raten folglich dringend von Reisen in die angolanischen Epidemie-Gebiete ab.

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