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Marsmissionen: Mars-Rover können wohl gar kein Leben nachweisen

Hightechinstrumente an Bord der Mars-Rover sollen Lebensspuren auf dem Mars aufspüren. Doch Experimente zeigen: Sie finden nicht einmal Leben auf der Erde. Und jetzt?
Rötliche Gesteinsformation in einer Wüste.
Nicht der Mars, aber fast: Die Red-Stone-Formation in der Atacama ähnelt dem uralten Flussdelta im Jezero-Krater.

Lebensspuren auf dem Mars aufzuspüren, ist einer der wichtigsten Gründe, Sonden auf den Planeten zu schicken. Aber möglicherweise sind die bisher zum Mars geschickten Instrumente gar nicht empfindlich genug dafür. Denn deren Technik reicht nicht einmal, um Leben auf der Erde zu finden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt ein Team um Armando Azua-Bustos vom Centro de Astrobiología in Madrid anhand von Experimenten mit irdischen Ablagerungen, die Marsgesteinen ähneln. Wie die Arbeitsgruppe in »Nature Communications« berichtet, fand sie in Gesteinen aus der Atacama-Wüste in Chile mit Hilfe empfindlicher Laborausrüstung reichlich Lebensspuren. Dagegen blieben die Resultate heute auf dem Mars eingesetzter Geräte nahe der Messgrenzen oder gar darunter – selbst wenn in den Proben der Sonden Lebensspuren sind, blieben die Daten wohl bestenfalls mehrdeutig.

Die Atacama ist die älteste und trockenste Wüste der Welt und dem Mars so ähnlich, dass die NASA seit 1997 dort ihre Mars-Rover testet. Und die Ähnlichkeiten gehen sogar noch weiter: Die unwirtliche Gegend birgt ein über 100 Millionen Jahre altes Flussdelta. Dessen rote Gesteine ähneln in vielen Details jenem Flussdelta im Jezero-Krater, in dem der Mars-Rover »Perseverance« seit Mitte 2022 nach Lebensspuren sucht. Der Unterschied ist, dass die als Red Stone bezeichneten Ablagerungen bis heute Leben enthalten. Nebel vom nahen Ozean bringt genug Feuchtigkeit, um ein bakterielles Ökosystem zu nähren. Die DNA dieser meist völlig unbekannten und rätselhaften Mikroben wies das Team um Azua-Bustos mit hochsensiblen Labormethoden nach.

Damit entspricht das Ökosystem im Gestein etwa dem Besten, was Fachleute auf dem Mars zu finden hoffen können: ein paar exotische Mikroben, die fein verteilt dem nackten Gestein eine magere Existenz abtrotzen. Wenn die Instrumente der Mars-Sonden Leben auf dem Roten Planeten entdecken sollen, müssen sie das auch in den Gesteinen der Atacama. Die Arbeitsgruppe untersuchte deswegen die Proben mit den irdischen Gegenstücken der Instrumente, die auf dem Rover »Curiosity« und bei der geplanten europäischen Mission »ExoMars« installiert sind. Die Ergebnisse sind bestenfalls gemischt. Ein Gaschromatograph, der dem Instrument SAM auf »Curiosity« entspricht, wies zwar organisches Material nach – doch das Instrument auf der Erde ist zehnfach empfindlicher als sein marsianisches Gegenstück, das deswegen wohl keinen Erfolg gehabt hätte. Auch das Instrument MOMA von »ExoMars« scheiterte am Atacama-Gestein.

Ein ernüchterndes Ergebnis

Mehr Erfolg hatten die Geräte mit einem komplizierteren Verfahren, bei dem organische Stoffe vor der Analyse mit Lösungsmitteln angereichert werden. Hier entdeckten sie einige wenige einfache organische Moleküle. Das Problem: Die Stoffe, die sie so aufspürten, hatte »Curiosity« auch schon in Marsproben gefunden. Sie könnten, so das Urteil damals, auch aus geologischer Aktivität stammen, dem Weltraum oder gar aus dem verwendeten Lösungsmittel. Von Bausteinen des Lebens sind sie meilenweit entfernt. Einen echten Hinweis für Leben auf der Erde lieferte nur das dritte getestete Experiment namens SOLID-LDChip, das auf einem abgewandelten biomedizinischen Verfahren basiert. Doch das wird vermutlich nie auf dem Mars zum Einsatz kommen – bisher ist es für keine geplante Mission vorgesehen: Ob irdische Biochemie auf dem Mars brauchbare Ergebnisse liefert, ist unklar.

Die Mars-Expertin Carol R. Stoker vom NASA Ames Research Center bewertet die Resultate in einem Kommentar für »Nature Communications« jedenfalls als ernüchternd. »Wenn die Biosignaturen nicht in irdischen Proben entdeckt werden können, in denen gegenwärtiges und urzeitliches Leben klar dokumentiert ist, sollten wir nicht erwarten, dass diese Instrumente Belege aus der Frühzeit des Mars entdecken können«, schreibt sie. Damit sind diese Analyseverfahren nicht viel weiter als die ersten Experimente auf den »Viking«-Landern. Ein halbes Jahrhundert nach den ersten derartigen Analysen sollten die Sonden schon ein bisschen mehr liefern als suggestive Indizien.

Die Arbeitsgruppe um Azua-Bustos jedenfalls zieht aus den Befunden eine klare Schlussfolgerung: Um Mars-Leben finden zu können, müssten Proben vom Planeten in irdischen Laboren untersucht werden. Tatsächlich geht auch die praktische Erforschung des Mars bereits diesen Weg. Der Mars-Rover »Perseverance« deponiert ausgewählte Proben in speziellen Behältern, die dereinst mit einer eigenen Mission eingesammelt und zur Erde gebracht werden sollen. Dann wird sich zeigen, was wirklich im uralten marsianischen Flussdelta steckt. Stoker jedenfalls nimmt aus den Ergebnissen der Studie eine ausdrücklich hoffnungsvolle Botschaft mit: »Wir müssen vorsichtig damit sein, das Fehlen starker Beweise für Leben auf dem Mars als Beweis für seine Nichtexistenz zu interpretieren.«

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