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Roter Planet: Ist die SkyFall-Mission gut oder schlecht für die Marsforschung?

Bedroht die Hubschrauberflotte der Skyfall-Mission der NASA die wissenschaftliche Forschung auf dem Mars? Das Projekt ist auf jeden Fall umstritten, denn Experten warnen vor gefährlichen Folgen für bestehende Forschungsprojekte.
Ein kleiner Helikopter steht auf der felsigen, rötlichen Oberfläche des Mars. Der Boden ist mit kleinen Steinen und Spuren von Fahrzeugrädern bedeckt. Der Helikopter hat zwei Rotorblätter und vier dünne Beine. Die Szene zeigt die karge, staubige Landschaft des Mars.
Ingenuity war das Vorbild für die drei Drohnen der Mission SkyFall, die im Jahr 2028 zum Mars starten soll.

Im März 2026 stellte die US-Weltraumbehörde NASA das Programm SkyFall vor – eine spektakuläre Mission, drei identische Hubschrauber auf ein einzigartiges, nuklear angetriebenes Raumfahrzeug zu packen, das Ende des Jahres 2028 zum Mars starten soll. Doch die Ankündigung traf viele Planetenforscher unvorbereitet. Es sei unklar, wie SkyFall ihre jahrzehntelangen Bemühungen unterstützen würde, nach Anzeichen für frühere Bewohnbarkeit und Leben auf dem Mars zu suchen. Dafür sollen Proben vom Roten Planeten zur umfassenden Untersuchung zur Erde gebracht werden. Sie lagern bereits auf dem Mars und stehen zur Bergung bereit. Dieses Rückführungsprojekt war bereits in vollem Gang, befindet sich nun aber aufgrund von Budgetkürzungen in der Schwebe. Wissenschaftler befürchten, dass SkyFall mit seinen noch unklaren Kosten von den Bemühungen zur Wiederbelebung des Programms ablenken könnte. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass SkyFall Mittel von anderen laufenden Marsmissionen innerhalb der finanziell angeschlagenen Wissenschaftsabteilung der Behörde abzieht.

»Wir befinden uns in dieser schwierigen Lage: Wenn einem jemand etwas anbietet, ist es schwer zu sagen: ›Nein danke, ich will es nicht‹«, meint Phil Christensen, Planetenforscher an der Arizona State University. »Man sagt: ›Klar, damit können wir großartige Wissenschaft betreiben.‹«

SkyFall wird an Bord des allerersten Raumfahrzeugs fliegen, das mit Kernspaltung angetrieben wird – eines Fahrzeugs namens Space Reactor-1 Freedom, das als Wegbereiter für größere und leistungsfähigere Projekte mit nuklearem Antrieb dient. Das Raumfahrzeug würde SkyFall in der Nähe des Mars abwerfen, wobei die Flotte in einer Kapsel untergebracht wäre, die mit Fallschirmen durch die Atmosphäre absinkt. Die Kapsel würde dann die drei Hubschrauber in der Luft ausbringen – eine weitere neue Meisterleistung. Die NASA arbeitet laut Angaben, welche die Weltraumbehörde gegenüber »Scientific American« gemacht hat, noch daran, einen Landeplatz auszuwählen, der möglichst risikoarm und dennoch von hohem wissenschaftlichem Nutzen ist.

Die SkyFall-Mission der NASA

Flugversuche auf einer fremden Welt

Der erste Mars-Helikopter der NASA, Ingenuity, wurde mit dem Rover Perseverance gestartet, der den Roten Planeten im Jahr 2021 erreichte. Der kleine Hubschrauber übertraf die bescheidenen Ziele der NASA für das Projekt bei Weitem: Im Lauf von fast 1000 Marstagen bei mehr als 70 Flügen legte er über 17 Kilometer zurück, bevor er zu stark beschädigt war, um weiterzufliegen. Ingenuity war nur mit einfachen Kameras ausgestattet, und seine Aufgabe beschränkte sich auf die Terrainaufklärung für Perseverance.

Die Hubschrauber von SkyFall werden etwas größer sein als Ingenuity und über genügend Auftrieb verfügen, um nicht nur eine Kamera, sondern auch einfache Wettersensoren und ein Bodenradar zu transportieren – Instrumente, die vor allem während der kurzen Flüge der einzelnen Fahrzeuge Beobachtungen sammeln würden. Laut einer Stellungnahme der Weltraumbehörde gegenüber »Scientific American« ist die NASA noch dabei zu ermitteln, wie viele Flüge jeder Hubschrauber absolvieren soll.

Hoffnungsträger oder Belastung?

Vorausgesetzt, die NASA kann die notwendigen technologischen Fortschritte erzielen, um SkyFall auf dem Roten Planeten zum Fliegen zu bringen, werden die Hubschrauber wahrscheinlich neue Erkenntnisse über den Mars liefern; möglicherweise beeinflussen sie sogar zukünftige bemannte Missionen. Doch die von der Weltraumbehörde skizzierten Ziele der Mission – etwa die Erkundung unerforschten Geländes, das Aufspüren von unterirdischen Eisvorkommen und die Überwachung von Staub in der Atmosphäre – sind weit entfernt von der bisherigen Priorität des Probenrückführungsprogramms und der damit verbundenen Suche nach außerirdischem Leben. Einige Marsforscher sagen, dass SkyFall auch keine aussagekräftigen Erkenntnisse für andere übergeordnete Forschungsfragen liefern wird, wie etwa die Erforschung der Geschichte des Planeten oder das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen seiner Oberfläche und seiner Atmosphäre.

»SkyFall ist eine Demonstrationsmission; es handelt sich nicht wirklich um eine wissenschaftliche Mission«, so Vicky Hamilton, Planetenforscherin am Southwest Research Institute. »Sie wird zwar einige wissenschaftliche Erkenntnisse liefern«, fügt sie hinzu, »aber das ist nicht das, was wir beabsichtigt hatten.« Schlimmer noch: SkyFall könnte der Marsforschung sogar aktiv schaden. »Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass mehr als eine der derzeit beim Mars laufenden Missionen eingestellt und ihre Mittel zur Unterstützung von SkyFall umgeleitet werden«, schrieb Hamilton in einem gemeinsam verfassten Memo der Mars Exploration Program Analysis Group, welche die NASA berät und deren letzte ehemalige Vorsitzende sie ist.

»Ich hoffe, SkyFall wird nicht zu einem Fall von ›Na gut, das ist dann eben eure Marsmission für dieses Jahrzehnt‹ – das wäre wirklich schade«Phil Christensen, Planetenforscher

Jede durch SkyFall ausgelöste Störung käme zu einer ohnehin schon angespannten Zeit: Abgesehen davon, dass das Probenrückführungsprojekt in der Schwebe ist, fehlt der NASA zudem ein Marsorbiter: Die Mission Mars Atmosphere and Volatile Evolution (MAVEN) der Weltraumbehörde endete, nachdem sie im Dezember 2025 den Kontakt zur Erde verloren hatte. Damit besteht die Marsflotte der NASA aus zwei in die Jahre gekommenen Orbitern – Mars Odyssey, der im Jahr 2001 im Marsorbit eintraf, und dem Mars Reconnaissance Orbiter, der im Jahr 2006 den Roten Planeten erreichte – sowie den Rovern Curiosity und Perseverance, die in den Jahren 2012 und 2021 an verschiedenen Orten auf dem Roten Planeten landeten.

Und die Zukunft wird keine wirkliche Verstärkung bringen: Auf dem Rover Rosalind Franklin der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hat die NASA ein Instrument installiert. Dessen Start mit einer Falcon-Heavy-Rakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ist für das Jahr 2028 vorgesehen. Hinzu kommen SkyFall, ein geplantes Mars-Telekommunikationsnetzwerk sowie die angekündigte Raumsonde Aeolus, deren Start ebenfalls für 2028 im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft vorgesehen ist. Keine davon ist eine der substanziellen wissenschaftlichen Missionen, an die man sich in der Marsforschung gewöhnt hat.

»Ich hoffe, SkyFall wird nicht zu einem Fall von ›Na gut, das ist dann eben eure Marsmission für dieses Jahrzehnt‹ – das wäre wirklich schade«, sagt Christensen.

Woher soll das Geld für SkyFall kommen?

Drei Monate nach der Ankündigung von SkyFall hat die NASA immer noch nicht erklärt, woher sie das Geld für das Projekt nehmen will oder wie viel es kosten könnte. »SkyFall ist ein neues Vorhaben, und Kostenschätzungen werden derzeit erstellt«, erklärte ein NASA-Sprecher gegenüber »Scientific American« und verwies auf die Budgetinformationsplattform der Behörde, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Dokumente enthält, die sich auf das SkyFall-Projekt beziehen.

»Das war ein sehr undurchsichtiger Prozess«, stellt Jack Kiraly fest, Leiter der Abteilung für Regierungsbeziehungen bei der Planetary Society, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für die Weltraumforschung einsetzt. Kiraly sagt, dass er sich zwar persönlich für SkyFall begeistere, die Behörde der Öffentlichkeit jedoch mehr Transparenz hinsichtlich ihrer Pläne schuldig sei.

»SkyFall könnte das gesamte Budget des Mars-Erkundungsprogramms auf absehbare Zeit verschlingen«Vicky Hamilton, Planetenforscherin

Als Bundesbehörde erhält die NASA jedes Jahr ein Budget vom Kongress, und die Gesetzgeber beraten zurzeit über die Mittelzuweisungen für das nächste Haushaltsjahr, das am 1. Oktober beginnt. Doch obwohl in diesen Gesetzen manchmal bestimmte Programme hervorgehoben werden – der derzeit im Repräsentantenhaus diskutierte Entwurf erwähnt ausdrücklich die Unterstützung für SkyFall –, vertraut der Kongress in der Regel den Behörden bei der Entscheidung über die genauen Details der Verteilung der zugewiesenen Mittel auf verschiedene Projekte, merkt Kiraly an.

Anstatt jedoch auf Mittel für technologische Weiterentwicklung oder bemannte Raumfahrt zurückzugreifen, wird SkyFall wahrscheinlich Mittel aus dem Mars-Erkundungsprogramm der Wissenschaftsabteilung der NASA beziehen, sagt er, genauer gesagt aus deren Haushaltsposten für zukünftige Missionen. Das Weiße Haus hat für diese Haushaltslinie im kommenden Haushaltsjahr 110 Millionen Dollar beantragt – von insgesamt 248 Millionen Dollar für die Marsforschung der NASA.

Ein Schnellprogramm zum Aufbau und Start einer derart ehrgeizigen Mission bis zum Jahr 2028 sei mit diesen Zahlen nicht vereinbar, meint Kiraly. »Es wird im Vorfeld viel Geld erfordern«, sagt er. »Das übt großen Druck auf den Rest des Portfolios aus.« Hamilton drückt es noch deutlicher aus. Sie befürchtet, dass »SkyFall im Grunde genommen das gesamte Budget des Mars-Erkundungsprogramms auf absehbare Zeit verschlingen wird«.

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  • Quellen

https://www.scientificamerican.com/article/will-nasas-skyfall-mars-helicopter-fleet-sink-science-at-the-red-planet/

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