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News: Marsmond Phobos unter der Lupe

Zwischen dem 23. Juli und dem 10. Oktober 2008 flog Mars Express neunmal dicht am Marsmond Phobos vorbei und konnte ihn aus allen Blickrichtungen in hoher Qualität kartieren. Das Ergebnis ist die bislang präziseste Karte des kartoffelförmigen Marstrabanten. Sie kommt der für das nächste Jahr geplanten russischen Mission Phobos-Grunt zugute, die auf Phobos landen und Bodenproben zurück zur Erde schicken soll.
Blick auf den Nordpol des Marsmonds Phobos
Für ihre Beobachtungen von Phobos nutzte das Wissenschaftlerteam am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof den Super Resolution Channel der High Resolution Stereo Camera an Bord von Mars Express. Das Kameraobjektiv hat eine Brennweite von 990 Millimetern, so dass scharfe Bilder gelangen, die Objekte auf der Oberfläche bis herab zu wenigen Metern zeigen.

Am 23. Juli 2008 näherte sich Mars Express bis auf 93 Kilometer dem maximal 27 Kilometer großen Trabanten. Dabei wurde ihre Bahn von der äußerst schwachen Schwerkraft des Mondes geringfügig abgelenkt, was von der Bodenstation via Funk exakt verfolgt werden konnte. Aus der Ablenkung ließ sich die Masse von Phobos berechnen, sie liegt bei rund 10,7 Billionen Tonnen.

Aus den Bilddaten konnte das Forscherteam ein präzises dreidimensionales Modell des Mondes errechnen, eine Art von "Phobos-Reliefglobus". Aus diesem Modell ergibt sich ein Gesamtvolumen des Trabanten zu 5680 Kubikkilometer und eine mittlere Dichte des Phobos-Gesteins von 1,887 Gramm pro Kubikzentimeter. Damit ähnelt Phobos einigen Objekten im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter, und das Gestein dürfte zudem recht porös sein.
Erste vollständige Karte des Marsmonds Phobos | Aus den Bilddaten von neun dichten Vorbeiflügen der Raumsonde Mars Express am Marsmond Phobos zwischen dem 23. Juli und dem 10. Oktober 2008 konnte diese weitgehend vollständige Karte der Oberfläche zusammengestellt werden.


Phobos ist der größere und innere der beiden Marstrabanten, die vom US-amerikanischen Astronomen Asaph Hall im Jahre 1877 entdeckt wurden. Phobos umläuft Mars in einer Höhe von rund 6000 Kilometern in knapp acht Stunden. Dabei überholt er die Rotation des Mars, so dass er für einen Beobachter auf der Marsoberfläche im Westen auf- und im Osten untergeht. In einem Abstand von 20 000 Kilometern umkreist der nur 16 Kilometer große Deimos den Roten Planeten.

Genaueres über Phobos dürften wir erfahren, wenn die für nächstes Jahr geplante russische Raumsonde Phobos-Grunt den kleinen Marsmond erreicht und auf ihm landet. Das besondere Highlight dieser Mission ist jedoch, dass Phobos-Grunt mit einer Rückkehrkapsel einige Hundert Gramm Phobosgestein zur Erde zurückschaffen soll. Gelingt dies, so ließe sich viel über die mineralogische Zusammensetzung und geologische Geschichte des Marstrabanten herausfinden.

TA

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