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Amazonien

Massaker an unkontaktierten Indianern?

Im Westen Brasiliens sollen Goldsucher in ein Indianerschutzgebiet eingedrungen sein und dort Mitglieder eines unkontaktierten Volks getötet haben.
Stammesgemeinde im Regenwald

Weltweit leben wohl nirgendwo mehr von der vermeintlichen Zivilisation unkontaktierte Völker als im Javari-Tal im Westen Brasiliens: Etwa 20 solche Ethnien siedeln in dem Regenwaldgebiet von der Größe Österreichs. Doch die natürlichen Reichtümer der Region ziehen auch Menschen an, die kein besonderes Interesse am Schutz der Indigenen haben. Wie die "New York Times" unter Berufung auf "Survival International" und die brasilianische Indianerschutzbehörde FUNAI berichtet, haben illegale Goldsucher im August 2017 womöglich zehn Mitglieder eines unkontaktierten Volks getötet und in den Fluss geworfen – angeblich in Notwehr. Es gebe zahlreiche Beweise für die Morde, eine abschließende Bewertung der Lage sei in der abgeschiedenen und kaum zugänglichen Region aber nicht möglich, so die FUNAI. Auch die Behörde dringe nur sporadisch in die entlegenen Teile von Javari vor und erhalte nur sporadische Informationen über diese Ethnien.

Schon im Februar sollen Holzfäller oder Goldgräber hier Indianer getötet haben, doch sind die Ermittlungen in diesem Fall bislang ebenfalls kaum vorangekommen. Gewalttätige Übergriffe auf Indigene kommen in Amazonien regelmäßig vor: Ihre Schutzgebiete gelten vielen Interessengruppen als Erschließungshindernis und Rohstoffquelle. Immer wieder kommt es beispielsweise zu Zusammenstößen zwischen Goldgräbern und Yanomami-Indianern im Norden Brasiliens, die für Mitglieder beider Seiten tödlich enden. Dazu kommt, dass die Regierung unter Staatspräsident Michel Temer das Budget der Indianerschutzbehörde stark gekürzt hat – um mehr als zwei Drittel. Die FUNAI musste daher 5 ihrer 19 Rangerstationen schließen, mit denen sie den Zutritt zu Reservaten überwacht. Andere Basen reduzierten ihr Personal.

Im August wollte Temer auch ein großes Reservat im brasilianischen Regenwald für den Bergbau freigeben – trotz nationaler und internationaler Proteste. Erst auf Anordnung eines Bundesrichters wurde diese Entscheidung vorläufig zurückgenommen. Im Zuge der Erschließung Amazoniens kommt es regelmäßig zu blutigen Landkonflikten, in deren Folge Gewerkschafter, Umweltschützer oder Menschenrechtsaktivisten ermordet werden. Bis Ende Juli starben deswegen mindestens 50 Menschen, die sich für Kleinbauern oder Indianer eingesetzt hatten oder ihr Land nicht aufgeben wollten. Brasilien gilt als weltweit gefährlichstes Land für diesen Personenkreis.

37/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2017

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