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Massenaussterben: Ammoniten überlebten den Dinosaurier-Killer

Ammoniten waren echte Überlebenskünstler. Drei große Massenaussterben überstanden die spiralschaligen Meerestiere. Nun zeigt sich: Sie überlebten sogar noch den verheerenden Asteroiden am Ende der Kreidezeit.
Eine 3D-Darstellung eines prähistorischen Meeres mit einem Ammoniten im Vordergrund. Der Ammonit hat eine spiralförmige Schale und mehrere Tentakel. Im Hintergrund sind Unterwasserfelsen und Korallen zu sehen, durch die Sonnenstrahlen ins Wasser fallen. Luftblasen steigen zur Wasseroberfläche auf. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Tiefe und antiker Meeresumgebung.
Fast 350 Millionen Jahre lang lebten Ammoniten in großer Vielfalt in den Weltmeeren. Dann verschwanden sie – aber später als gedacht.

Nicht nur die Dinosaurier gingen beim letzten großen Massenaussterben zugrunde – auch die kaum weniger bekannten Ammoniten verschwanden nach dem gigantischen Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren. Dachte man wenigstens bisher. Doch jetzt legen Daten einer Arbeitsgruppe um Marcin Machalski von der Polnischen Akademie der Wissenschaften nahe, dass das nicht stimmt. Wie das Team in der Fachzeitschrift »Scientific Reports« berichtet, schwammen die urtümlichen Tintenfischverwandten mit den meist spiraligen Gehäusen noch mehrere zehntausend Jahre nach dem verheerenden Einschlag durch das Meer im heutigen Dänemark. Demnach stammen Spuren von Ammoniten aus Gestein über der Katastrophenschicht tatsächlich aus jener Zeit und waren nicht aus älteren Ablagerungen hervorgespült worden. Die Tiere hatten die Apokalypse überlebt.

Schon lange wusste man, dass Ammonitenreste an manchen Orten in jüngeren Gesteinen zu finden waren – zum Beispiel in den spektakulären Kreideklippen Dänemarks. Doch diese Spuren lagen in Gestein, das zum Teil aus abgetragenen Resten älterer Schichten von vor der Katastrophe bestand. Deswegen gingen die meisten Fachleute davon aus, dass die Schalen einst aus dem Schlamm freigespült und in jüngere Schichten getragen wurden. Man bezeichnet solche täuschenden Funde als »Zombie-Fossilien«. Das Team um Machalski untersuchte nun jedoch nicht die Gehäuse selbst, sondern das Material aus dem Inneren von insgesamt zehn der – heute längst aufgelösten – Ammonitenschalen oberhalb der Katastrophenschicht. Die Idee: Gehäuse aus älteren Schichten sollten auch das Material der älteren Schichten in sich tragen.

Dabei half den Fachleuten, dass sich die Gesteine nahe Stevns Klint südlich von Kopenhagen vor und nach dem Asteroideneinschlag deutlich unterscheiden. Die älteren Gesteine enthalten viele Moostierchen (Bryozoen), während in den jüngeren Schichten die als Spikulen bezeichneten Skelettnadeln von Schwämmen dominieren. Tatsächlich jedoch enthielt nur eins der fossilen Gehäuse Bryozoen, die anderen dagegen nur die Überreste von Schwämmen. Das legt nahe, dass Ammoniten, die bereits 350 Millionen Jahre lang drei großen und mehreren kleinen Massenaussterben getrotzt hatten, wohl auch diese Katastrophe überstanden. Die Erkenntnis allerdings wirft eine neue, womöglich noch viel schwieriger zu beantwortende Frage auf: Was gab ihnen dann rund hunderttausend Jahre später doch den Rest – gerade als sich das Leben auf der Erde erholte?

  • Quellen
Machalski et al., Scientific Reports 2025, 10.1038/s41598–025–34479–1

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