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Massenaussterben: Haie kamen gut durch die Krise

Am Ende der Kreidezeit starben drei Viertel aller Tierarten aus. Die Haie überstanden diese Phase aber anscheinend relativ unbeschadet.
Weißer Hai im Meer.

Das weltweite Massenaussterben am Ende der Kreidezeit betraf die Haie offenbar nur wenig: Ihre Vielfalt litt kaum unter der damaligen Katastrophe. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Mohamad Bazzi von der Universität Uppsala. Die Wissenschaftler berichten darüber in der Fachzeitschrift »PLOS Biology«.

An der Kreide-Paläogen-Grenze vor 66 Millionen Jahren starben rund drei Viertel aller Tierarten aus – darunter die Dinosaurier mit Ausnahme der Vögel. Der Grund hierfür waren katastrophale Umweltveränderungen, wahrscheinlich ausgelöst durch den Einschlag eines riesigen Meteoriten und möglicherweise verstärkt durch intensive vulkanische Aktivität im heutigen Indien. Der Krise fielen zahlreiche Meerestiere zum Opfer, Wissenschaftler schätzen den damaligen Verlust mariner Gattungen auf rund 50 Prozent. Wie die neue Studie belegt, blieben die Haie aber relativ unbehelligt.

Mehr als 1200 Beißer

Bazzi und sein Team haben 1239 versteinerte Haizähne aus der Zeit vor 84 Millionen bis vor 56 Millionen Jahren untersucht. Die Fossilien überspannen somit etliche Jahrmillionen vor, während und nach dem kreidezeitlichen Massenaussterben, und sie stammen von Tieren aus neun verschiedenen Hai-Ordnungen, von denen eine mittlerweile erloschen ist. Unterstützt von Computersoftware analysierte das Forscherteam die Form und Struktur der Zähne, um sie den richtigen Tiergruppen zuzuordnen.

Fossile Haizähne | Versteinerte Haizähne aus dem Campanium, einem Abschnitt der späten Kreidezeit, gefunden in Südschweden.

Laut der Studie veränderte sich die Vielfalt der Haie – gemessen an der Zahnmorphologie – während des Massensterbens insgesamt kaum. Lediglich einige Spitzenräuber-Arten mit dreiecksförmigen, klingenähnlichen Zähnen verschwanden, vermutlich weil ihre Beutetiere ausstarben. Das betraf vor allem Makrelenhaiartige (Lamniformes). Andere Gruppen dagegen entwickelten eine größere Formenvielfalt, besonders jene mit seitlich gezackten Zähnen, die für den Fischfang geeignet sind. Darin könnte sich ein allgemeines Phänomen der damaligen Krise spiegeln, wie die Forscher schreiben: Haie, die ein breites Spektrum von Knochenfischarten jagten, hatten bessere Karten als solche, die nur auf wenige Beutespezies wie Meeresreptilien spezialisiert waren.

»Es ist für Massenaussterben typisch, dass hochspezialisierte Arten untergehen und dabei ökologische Nischen frei machen, die anschließend von Generalisten besetzt werden«, kommentiert der Geowissenschaftler Oliver Friedrich, der nicht an der Studie beteiligt war, diese Ergebnisse. Er leitet an der Universität Heidelberg die Forschungsgruppe »Sedimentologie und marine Paläoumweltdynamik«, die sich mit gravierenden Umweltveränderungen der zurückliegenden 140 Millionen Jahre befasst. Der Umbruch an der Kreide-Paläogen-Grenze, sagt Friedrich, habe sich sehr unterschiedlich auf die Meereslebewesen ausgewirkt. So seien einzellige Organismen, die im oberflächennahen Wasser lebten, stark dezimiert worden – während solche, die auf dem Meeresboden siedelten, viel weniger betroffen waren.

Versteinerte Haizähne gehören zu den häufigsten Wirbeltierfossilien, weil die Tiere lebenslang ständig neue Zähne bilden und diese folglich in großer Zahl entstehen. Das knorpelige Skelett dagegen – Haie zählen zu den Knorpelfischen – ist nur selten fossil erhalten.

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