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Pandemien: Masseneinsatz von Antibiotika fördert resistente Tbc-Stämme

Um zu verhindern, dass an latenter Tuberkulose (Tbc) leidende Aids-Patienten in Afrika die aktive Form von Tbc entwickeln, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die großflächige Therapie mit Isoniazid – einem effektiven Antibiotikum gegen die durch Bakterien ausgelöste Lungenkrankheit. Dies könnte allerdings die Entstehung resistenter Tbc-Stämme deutlich beschleunigen.

Zu diesem beunruhigenden Befund gelangen Wissenschaftler um Ted Cohen und Megan Murray von der Harvard-Universität anhand mathematischer Modelle, mit denen sie die Folgen von Gesundheitsprogrammen mit umfangreichem Einsatz von Isoniazid in Afrika berechneten. Demnach führt die vorsorgliche Behandlung ganzer Dorfgemeinschaften mit dem Antibiotikum kurzfristig zu einer deutlichen Abnahme der Tbc-Fälle, fördert aber auf der anderen Seite langfristig deutlich die Bildung von unempfindlichen Mycobacterium-tuberculosis-Erregern.

Die Forscher halten dennoch die Behandlung der Patienten mit dem Medikament für wünschenswert, raten allerdings dringend zu einer Überprüfung der Strategie. So sollten lokale Behörden, Mediziner und die WHO auf die Entwicklung der Tbc-Stämme achten und gegebenenfalls auf die Bekämpfung resistenter Tuberkulose-Bakterien vorbereitet sein.
19.04.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.04.2006

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