Direkt zum Inhalt

Psychotherapie: Maßnahmen für mehr Selbstmitgefühl

Nachsichtig gegenüber sich selbst zu sein, tut der Seele gut. Mit welchen Methoden können Therapeuten diese innere Haltung fördern?
Frau mit Wärmflasche und Tasse in der HandLaden...

Als »Selbstmitgefühl« (self compassion) bezeichnen es Psychologen, wenn man seine eigenen Handlungen und Gedanken wohlwollend betrachtet und nachsichtig mit sich ist, wenn man Fehler begeht. Diese Haltung ist gut für die Psyche: Einer Metaanalyse aus dem Jahr 2012 zufolge geht eine solche positive Haltung sich selbst gegenüber mit geringeren psychischen Symptomen einher, insbesondere bei Depression, Ängsten und Stress. In der Psychotherapie ist es daher häufig eines der Ziele, die Patienten zu einem freundlicheren Umgang mit sich selbst zu bewegen. Doch wie kann das gelingen? Dieser Frage gingen Psychologen der israelischen Bar-Ilan-Universität in einer Studie nach.

Das Team um Lior Galili-Weinstock wertete die Aufzeichnungen von 89 Patienten aus, die sich in der psychologischen Ambulanz der Universität behandeln ließen. Die verbreitetsten Gründe für den Besuch waren affektive Erkrankungen wie eine Depression, Angststörungen, Beziehungskrisen und beruflicher Stress. Die Patienten wurden von 58 verschiedenen Therapeuten betreut, die sich in ihrem zweiten bis fünften Ausbildungsjahr befanden und eine psychodynamische Kurzzeittherapie lernten. Diese Therapieform legt unter anderem besonderes Augenmerk auf vergangene Erfahrungen der Klienten, ihre Gefühle sowie ihre Wünsche und Fantasien.

Nach jeder Sitzung füllten die Patienten einen Fragebogen aus, der unter anderem das Ausmaß ihres Selbstmitgefühls erfasste. Die Therapeuten gaben zeitgleich zu Protokoll, welche Methoden sie in der zurückliegenden Stunde eingesetzt hatten. Ergebnis: Bauten die Behandler in ihre psychodynamische Therapie so genannte »direktive Interventionen« ein, förderte das langfristig am stärksten die Nachsicht der Patienten mit sich selbst.

Dazu zählen Maßnahmen und Methoden, die eher charakteristisch für die kognitive Therapie und Verhaltenstherapie sind, etwa konkrete Fähigkeiten zu vermitteln, aktiv zu Verhaltensänderungen anzuregen und konkrete Ziele zu setzen. Eine typische Intervention: den Patienten »Hausaufgaben« mit nach Hause zu geben, die sie zwischen den Sitzungen erledigen sollen, und die Ergebnisse sowie Erfahrungen mit der Aufgabe in der nächsten Stunde nachzubesprechen.

Es bleibe noch zu untersuchen, welche dieser direktiven Vorgehensweisen den größten Effekt erzielte, schreiben Galili-Weinstock und ihre Kollegen. Jedoch sei es offenbar grundsätzlich hilfreich, solche Ansätze auch in einer psychodynamischen Therapie anzubieten. Zudem hatten bereits frühere Untersuchungen ergeben, dass sich eine selbstmitfühlende Einstellung gezielt fördern lässt, zum Beispiel mit Hilfe speziell dafür entworfener Trainingsprogramme.

12/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2019

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos