Sexuell übertragbare Krankheiten: Neue Impfstrategie zum Schutz vor Genitalherpes

Eine Kombination aus klassischer Impfung und einer gezielten Auffrischung direkt an der Schleimhaut könnte den Schutz vor Genitalherpes verbessern. Im Test an Mäusen führte der Ansatz zu einer stärkeren lokalen Immunantwort und senkte die Viruslast deutlicher als bisherige Impfstrategien. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Science Immunology« erschienen ist.
Ein Team um Sachin Bhagchandani von der Yale University School of Medicine entwickelte dafür einen speziellen Impfverstärker, ein sogenanntes Adjuvans. Hintergrund ist, dass die Schleimhaut im Genitaltrakt als eher immunsuppressive Umgebung gilt: Impfungen lösen dort oft nur eine schwache Immunantwort aus. Frühere Ansätze konnten die Abwehr zwar anregen, gingen teils aber mit unerwünschten Entzündungen einher.
Die Forscher und Forscherinnen kombinierten deshalb als immunstimulierend bekannte synthetische DNA-Moleküle mit dem Signalprotein CXCL9, das Immunzellen anlockt. Daraus entstanden Nanopartikel, die sie »Bioactive Enhanced Adjuvant Chemokine Oligonucleotide Nanoparticles« (BEACONs) nannten.
Für die Studie erhielten Mäuse zunächst eine intramuskuläre Grundimmunisierung mit Proteinmolekülen des Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2), dem häufigsten Erreger von Genitalherpes. Anschließend bekamen sie eine Auffrischungsimpfung direkt in die Vaginalschleimhaut. Diese enthielt erneut Virusproteine sowie die BEACON-Partikel. Als Vergleich dienten Kontrolltiere, die stattdessen eine herkömmliche intramuskuläre Auffrischungsimpfung erhielten.
Schutz am Ort der Infektion
Die BEACON-Partikel verbesserten die Aufnahme des Impfstoffs durch antigenpräsentierende Zellen und förderten die Ansammlung von Gedächtnis-T-Zellen im Genitaltrakt. Zudem stieg die lokale Antikörperproduktion an.
Und: Nach einer Infektion wiesen die Tiere mit der Schleimhaut-Auffrischung niedrigere Viruslasten auf als die Kontrollgruppe. Gleichzeitig zeigten sich keine Hinweise auf die ausgeprägten lokalen Entzündungsreaktionen, die bei früheren Ansätzen zum Erhöhen der Immunantwort beobachtet worden waren.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Impfstoffe gegen Erreger, die über Schleimhäute übertragen werden, von einer gezielten Aktivierung der lokalen Immunabwehr profitieren könnten. Nach Ansicht der Forschenden ließe sich das Konzept möglicherweise auch auf andere sexuell übertragbare Keime übertragen, etwa HIV, humane Papillomviren (HPV) oder Chlamydien. Ob und wie gut die Methode auch beim Menschen funktioniert, müssen allerdings erst weitere Studien zeigen.
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