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Medienkonsum: Multitasking und Vergessen hängen zusammen

Gleichzeitig Netflix gucken und am Handy Nachrichten beantworten? Keine gute Idee. Darunter leidet die Aufmerksamkeit und damit auch das Gedächtnis.
Mann sitzt mit Handy auf der Couch, im blauen Licht des Fernsehers

Das Gehirn des modernen Menschen entwickelte sich vor Hunderttausenden von Jahren und hat sich seither kaum verändert. Doch heute überfluten wir es mit digitalen Informationen, was laut Fachleuten beunruhigende Folgen hat. Eine Studie in »Nature« bestätigt das: Medien-Multitasking, also die simultane Beschäftigung mit verschiedenen Medien wie Handy und Fernsehen, könnte demnach die Aufmerksamkeit und das Erinnerungsvermögen beeinträchtigen.

Die Forschungsgruppe verfolgte per Elektroenzephalografie (EEG) und Eye-Tracking die Aufmerksamkeit von 80 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 26 Jahren. Diese bekamen zunächst Bilder von Objekten auf einem Computerbildschirm präsentiert. Nach einer zehnminütigen Pause erschienen erneut Gegenstände auf dem Bildschirm. Nun sollten sie beurteilen, ob sie sie zuvor schon einmal gesehen hatten.

Neigten die Versuchspersonen nach eigener Auskunft zu Medien-Multitasking, hatten sie die Bilder eher wieder vergessen. EEG und kleinere Pupillen zeigten, dass sie ihre Aufgabe weniger aufmerksam erledigten, und Hirnaktivitätsmuster, die mit dem episodischen Gedächtnis zusammenhängen, waren weniger ausgeprägt.

Schon frühere Studien hatten eine Verbindung hergestellt zwischen Medien-Multitasking und einem schlechteren episodischen Gedächtnis, dem Erinnern an eigene Erfahrungen. Die neuen Befunde zeigen, warum das so sein könnte. »Wir fanden Hinweise darauf, dass die Fähigkeit, aufmerksam zu bleiben, den Zusammenhang von Medien-Multitasking und schlechtem Gedächtnis erklärt«, sagt Autor Kevin Madore, Psychologe an der Stanford University.

Madore weist darauf hin, dass die Befunde lediglich auf Korrelationen beruhen; sie verraten also nicht, ob Medien-Multitasking die Aufmerksamkeit stört oder ob Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen einfach mehr dazu neigen, sich von digitalen Medien ablenken zu lassen. Man könne daraus auch nicht schließen, dass ein bestimmtes Medium die Hirnaktivität beeinträchtigt. Es sei sogar denkbar, dass Videospiele bestimmte Hirnfunktionen verbessern.

Madore und seine Kollegen wollen offene Fragen in weiteren Studien klären und Aufmerksamkeitstrainings für Menschen entwickeln, die sich leicht ablenken lassen. »Unsere Daten zeigen, wie wichtig es ist, mit der eigenen Aufmerksamkeit bewusst umzugehen«, sagt Madore. Und das bedeutet, sich immer nur auf einen Bildschirm zu konzentrieren.

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