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Antikörpertest: Medikament bringt Erschöpfungssyndrom zum Verschwinden

Ein Krebsmedikament zeigt verblüffende Wirkung gegen das chronische Erschöpfungssyndrom: In einer kleinen Studie befreite es zwei Drittel der Probanden von ihren Symptomen.
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Ursprünglich wurde Rituximab zur Behandlung von Lymphomen entwickelt. Nun hat das Medikament erneut Wirkung gegen das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) gezeigt. Das geht zumindest aus einer kleinen klinischen Studie hervor, die Forscher der Haukeland-Universitätsklinik in Bergen durchgeführt haben. Bei 18 von 28 Patienten zeigten sich starke Verbesserungen der typischen Symptome.

Das Forscherteam um Øystein Fluge und Olav Mella testet den Wirkstoff bereits seit 2004. Damals hatten sie durch Zufall bemerkt, dass das Krebsmedikament bei Patienten mit CFS die Symptome zu beseitigen schien. Laut ihren jüngsten Ergebnissen halten die Verbesserungen über Jahre an: Von den 18 Patienten der aktuellen Studie, bei denen die Behandlung anschlug, seien elf noch drei Jahre später symptomfrei, manche sogar fünf Jahre, erklärt Fluge.

Im Unterschied zu einer kleineren Vorgängerstudie war die aktuelle, seit 2011 laufende Studie nicht placebokontrolliert und nicht verblindet. Den Patienten wurden zu Beginn der Behandlung im Abstand von zwei Wochen zwei Rituximab-Infusionen verabreicht, die dann durch Auffrischungsgaben nach 3, 6, 10 und 15 Monaten ergänzt wurden. Schwere Nebenwirkungen hätten sich nicht gezeigt, berichten die Wissenschaftler. Eine umfassendere Erprobung mit 150 Probanden haben die norwegischen Wissenschaftler bereits begonnen.

Ein Antikörper gegen schädliche Antikörper?

Bei dem Wirkstoff handelt es sich um einen Antikörper, der eine bestimmte Sorte von Immunzellen, die B-Zellen, entfernt. Dass er auch gegen das CFS wirkt, legt nahe, dass die – immer noch rätselhafte – Ursache der Krankheit in einer Autoimmunreaktion zu suchen ist. Den beiden Forschern zufolge könnte es sein, dass bei den CFS-Betroffenen bestimmte Antikörper, die zur Bekämpfung einer längst überstandenen Infektion erzeugt wurden, weiterhin produziert werden und beispielsweise die Blutversorgung der Muskulatur hemmen. Die Beseitigung der B-Zellen würde in diesem Erklärungsansatz die Produktion dieser Antikörper unterbinden und so für ein Wegfall der Symptome sorgen.

Was genau hinter der Krankheit steckt, die laut den Vorschlägen eines US-amerikanischen Medizinergremiums besser als "Systemische Anstrengungsunverträglichkeit" (Systemic exertion intolerance disease, SEID) bezeichnet werden sollte, ist nach wie vor offen. Dieser unklare Status bedeutet eine zusätzliche Belastung für Patienten, die sich oft dem Vorwurf ausgesetzt sehen, ihre Krankheit nur zu simulieren.

Sollte sich das Rituximab auch in weiteren Studien als wirksam herausstellen, könnte dies nicht nur die lang ersehnten Behandlungsoption liefern, sondern womöglich auch entscheidende Hinweise auf die Entstehung von CFS geben.

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