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News: Medikament gegen Bioterrorismus

Ein Mittel mit durchschlagender Wirkung soll dem Milzbrand-Erreger den Schrecken nehmen. Denn mit den Löchern, die das Mittel in die Zellwand der Bakterien bohrt, kann keiner der Organismen überleben, egal wie widerstandsfähig sie gegen Antibiotika sind.
Seitdem in Amerika jeder Brief eine tödliche Botschaft in Form von Bacillus anthracis beinhalten konnte, erwachte zunehmend die Angst vor den perfiden Methoden des Bioterrors. Vorsichtsmaßnahme gegen Milzbrand-Erreger sind allerdings schwierig, denn bislang existiert noch keine Impfung, sodass der Ausbruch der Krankheit derzeit nur mit Antibiotika bekämpft werden kann. Doch einen Bakterienstamm zu züchten, der sich mit einem entsprechenden Resistenzgen zur Wehr setzt, ist leichter als dies zunächst erscheinen mag. Aus diesem Grund suchen Forscher nun fieberhaft nach einer völlig anderen Waffe gegen die winzigen Todesboten.

Fündig wurden die Wissenschaftler, als sie sich einer Therapieform erinnerten, deren Konzept mehr als 80 Jahre alt ist. Die Therapie arbeitet mit den natürlichen Feinden der Bakterien – den so genannten Bakteriophagen. Diese Viren bohren Löcher in die normalerweise äußerst stabile Zellwand ihres Opfers und injizieren ihm anschließend ihr Erbgut. Mithilfe der bakteriellen Vermehrungsmaschinerie entstehen aus dem Virengenom fortlaufend unzählige neue Viren – so lange, bis die Wirtszelle letztendlich platzt und ihre rücksichtslosen Besetzer freigibt.

Diesen Ansatz verfolgten auch Vincent Fischetti und seine Kollegen von der Rockefeller University in New York. Sie untersuchten Bakteriophagen, die in Milzbrand-Erreger eindringen und sie so zur Strecke bringen. Dabei gelang es ihnen, aus den Anthrax-Killern ein höchst wirksames Enzym namens PlyG-Lysin zu isolieren, mittels dem die Viren normalerweise die Bakterienwand aufbrechen, um nach erfolgter Vermehrung in tausendfacher Kopie ausschwärmen zu können.

PlyG-Lysin ist dabei so wirksam, dass es in nur zwei Minuten 50 Millionen Bakterien vernichtet – und übertrifft damit die Durchschlagskraft der meisten zur Zeit eingesetzten Antibiotika. In Laborversuchen an infizierten Mäusen rettete das Protein immerhin drei Viertel der todgeweihten Nager das Leben – eine Rate, die durch eine höhere Dosis des Proteins noch übertroffen werden kann, hoffen die Forscher.

Bedeutendster und erfreulichster Vorteil der neuen "Waffe" ist die Tatsache, dass PlyG-Lysin sich seine Opfer nur unter den Milzbrand-Erregern sucht, andere, zum Teil für den menschlichen Körper vorteilhafte Bakterien, jedoch verschont. Zudem sollte es nach Ansicht Fischettis äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich für das Bakterium sein, eine Resistenz gegen diese Art Angriff zu entwickeln. Daher plant das Team in den nächsten Wochen den Start weiterer Tierversuche, damit in drei Jahren, so schätzen die Forscher, das Medikament vorrätig sein könnte.

Zusätzlich zur Behandlung von Milzbrand kann der neue Stoff auch zur schnellen Detektion der für potentiell terroristische Angriffe verwendeten Sporen herangezogen werden. Die verdächtigen Dauerformen der Erreger werden dabei zunächst zum Keimen gebracht und anschließend dem gefräßigen Protein ausgesetzt. Freigesetzte innere Bestandteile der Bakterien können nun in kürzester Zeit Aufschluss über die Art der Bedrohung geben. Ein fluoreszierender Farbstoff und ein handlicher Lichtdetektor reichen dazu völlig aus.

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