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Medizinischer Durchbruch: Neue Pille verdoppelt Überlebenszeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Das Pankreaskarzinom gehört zu den tückischsten und aggressivsten Krebsarten. Ein neues Medikament kann die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium offenbar für Monate ausbremsen. Experten sprechen von einem »revolutionären Durchbruch«.
Ein anatomisches Diagramm eines menschlichen Körpers, das den Oberkörper in seitlicher Ansicht zeigt. Die inneren Organe sind transparent dargestellt, wobei ein Bereich im Bauchraum hervorgehoben ist. Dieser Bereich ist in leuchtendem Rot markiert, um eine spezifische Stelle oder ein Organ zu betonen. Das Bild dient der Veranschaulichung der Lage und Struktur der inneren Organe im menschlichen Körper.
Das Pankreaskarzinom ist ein sehr aggressiver, bösartiger Tumor. Da im Frühstadium selten Beschwerden auftreten, wird die Krankheit oft erst in einem metastasierenden Stadium entdeckt.

Im Rahmen einer klinischen Phase-III-Studie lebten Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs mit dem neuen Medikament Daraxonrasib doppelt so lange wie mit einer Chemotherapie, berichten Fachleute im »New England Journal of Medicine«. Unabhängige Experten sprechen von einem »Paradigmenwechsel« in der Behandlung des Pankreaskarzinoms.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Die Prognose ist sehr ungünstig, da die Tumoren meist zu spät erkannt werden und dann schon gestreut haben. In diesem späten Erkrankungsstadium ist in der Regel keine Heilung mehr möglich; eine Chemotherapie wird dann eingesetzt, um die Beschwerden zu lindern. Das nun von einer US-Forschergruppe geprüfte Medikament bringt hier möglicherweise den entscheidenden Wendepunkt.

Die Fachleute schlossen 500 Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom in die klinische Phase-III-Studie ein. Alle Probanden hatten im Vorfeld bereits eine Chemotherapie erhalten. Man teilte sie nun zufällig einer von zwei Gruppen zu: Die eine bekam eine zweite Chemotherapie, die andere das neue Medikament Daraxonrasib. Hierbei handelt es sich um einen »RAS-ON-Inhibitor«. Das Gen RAS codiert für ein Protein, das in der Zelle Teilungsprozesse anstößt. Normalerweise liegt es in einer inaktiven Form vor. Durch eine Mutation kann das Protein überaktiv werden, was die Tumorentstehung begünstigt. Mutationen des RAS-Gens kommen bei etwa 90 Prozent der Pankreaskarzinome vor. Alle Probanden waren Träger der RAS-Mutation, bei 91,8 Prozent von ihnen handelte es sich um die RAS-G12-Variante.

»Aus meiner Sicht ist das eine der wichtigsten klinischen Entwicklungen beim metastasierten Pankreaskarzinom seit vielen Jahren«Dieter Saur, Gastroenterologe und Krebsforscher

Das Medikament brachte einen deutlichen Überlebensvorteil: Träger der RAS-G12-Mutation, die Daraxonrasib bekamen, lebten doppelt so lange wie jene aus der Chemotherapie-Gruppe (13,2 Monate versus 6,6 Monate). Und auch die Zeit, in der die Krankheit nicht fortschritt, verlängerte sich: Mit der Pille waren die Patienten im Median 7,3 Monate progressionsfrei, mit Chemotherapie waren es nur 3,5 Monate.

Dietrich Ruess, Leiter des zertifizierten Pankreaskarzinomzentrums am Universitätsklinikum Freiburg, stuft die Studie gegenüber dem Science Media Center (SMC) als »revolutionären Durchbruch« ein. Dieter Saur von der Technischen Universität München und dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg sagte dem SMC: »Aus meiner Sicht ist das eine der wichtigsten klinischen Entwicklungen beim metastasierten Pankreaskarzinom seit vielen Jahren.« Als Grund nannte er, dass mit der RAS-Mutation erstmals eine Zielstruktur adressiert werde, die für die Mehrheit der Patienten hochrelevant sei – nicht nur für eine kleine Untergruppe. »Wenn die Daten von den Zulassungsbehörden bestätigt werden, erwarte ich, dass Daraxonrasib sehr rasch zu einer neuen Standardoption in der Zweitlinientherapie des metastasierten Pankreaskarzinoms wird.«

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