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News: Medikamente mit Mehrwert

Altbewährte Mittel können mitunter mehr, als die Medizin von ihnen erwartet - so auch bei Statinen. Diese Medikamente verschreiben Ärzte, um den Cholesterinspiegel ihrer Patienten zu senken. Jetzt zeigte sich, dass Statine auch die Immunantwort des Körpers unterdrücken und daher bei Organtransplantationen eingesetzt werden könnten.
Unser Körper weiß sich zu wehren. Fremde Eindringlinge wie Bakterien oder Viren werden sofort von unserem Immunsystem angegriffen und vernichtet. Dieser sehr sinnvolle Mechanismus ist jedoch nicht immer erwünscht – beispielsweise bei Organtransplantationen, welche die Natur nicht vorgesehen hat. Das lebensrettende Organ eines Spenders stößt der Körper wieder ab, wenn seine Immunantwort nicht durch Medikamente – so genannte Immunsuppressiva – kontrolliert wird. Eine eher zufällige Entdeckung könnte den Ärzten dabei weiterhelfen.

Patienten, denen ein neues Herz eingepflanzt wird, erhalten oft – unabhängig von Immunsuppressiva – Medikamente zur Senkung ihres Cholesterinspiegels. Bewährt haben sich die so genannten Statine, wie Pravastatin, Simvastatin oder Lovastatin. Sie blockieren das spezifische Enzym für die Cholesterinsynthese, die 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase. Ein erhöhter Cholesterinspiegel des Blutes gilt als Risikofaktor für Herzinfarkte, da es zur Verstopfung von Blutgefäßen, zur Atherosklerose, führen kann. Bei Herztransplantationspatienten verzögerten Statine zur Überraschung der Mediziner auch die Abstoßungsreaktionen gegen das fremde Herz.

Dieser Sache ging Brenda Kwak zusammen mit ihren Kollegen vom Universitätskrankenhaus in Genf nach. Sie entdeckten, dass Statine die Immunantwort des Körpers lahmlegen können, indem sie die Aktivierung der T-Helferzellen des Immunsystems verhindern (Nature Medicine vom Dezember 2000). Diese Lymphocyten stimulieren wiederum die B-Zellen des Immunsystems, spezifische Antikörper zu bilden. Aktiviert werden die T-Helferzellen durch chemische Botenstoffe, den Cytokinen. Und genau hier setzen die Statine an: Sie blockieren die Bindung des Cytokins Interferon-gamma und verhindern damit die Aktivierung der T-Helferzellen. Insbesondere das Mittel Atorvastatin erwies sich als besonders wirksam. "Dieser unerwartete Effekt gibt uns die Grundlage für die Anwendung von Statinen als Immunsuppressiva – nicht nur bei Organtransplantationen, sondern auch bei zahlreiche Erkrankungen", ist Kwak überzeugt.

Der Mediziner Wulf Palinski von der University of California in La Jolla hält die Arbeit seiner Schweizer Kollegen für äußerst interessant, da hier zum ersten Mal ein biologischer Mechanismus der Wirkung von Statinen beschrieben wird. Dennoch mahnt er: "Man muss vorsichtig sein, wenn man Ergebnisse aus Laborstudien von Zellkulturen auf den Menschen übertragen möchte."

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