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Vernachlässigte Krankheiten: Mediziner warnen vor unterschätzter Bakterieninfektion

Ein Tropenbakterium tötet deutlich mehr Menschen, als bekannt wird, warnen Forscher nach der Auswertung von Daten aus den letzten 100 Jahren. Viele Antibiotika haben keine Wirkung.
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Die vom Bakterium Burkholderia pseudomallei ausgehende Gefahr wird weltweit deutlich unterschätzt, warnen Mediziner nach der Auswertung einer großen Menge an Erkrankungsdaten. Der ursprünglich in Südasien heimische Erreger kann eine Melioidose auslösen, die oft tödlich ist, warnt Direk Limmathurotsakul von der Mahidol University in Thailand. Oft wird diese Infektion aber nicht korrekt diagnostiziert – obwohl sie vielleicht häufiger tödlich endet als etwa die Masern.

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Globale Melioidose-Gefahr | Bekannt gewordene Infektionsfälle einer Melioidose und Funde des Bakteriums Burkholderia pseudomallei in den Jahren zwischen 1910 und 2014. Drei Fälle außerhalb der Tropen sind extra herausgehoben: ein Infektionsherd in Paris (1), ein Nachweis im Trinkwasser in Italien (2) und ein Nachweis in Westaustralien (3).

Die Wissenschaftler hatten Daten von Melioidose-Fällen und Funden des Keims in der Umwelt aus der ganzen Welt und einem Zeitraum zwischen 1910 und 2014 zusammengetragen. In den 45 Staaten, in denen schon einmal eine Infektion bekannt wurde, werde die Erkrankung drastisch unterdiagnostiziert, und 34 Länder, in denen offiziell kein Fall bekannt ist, seien durch den Erreger dennoch gefährdet. Wahrscheinlich infizieren sich weltweit etwa 165 000 Menschen jährlich, von denen etwa 89 000 sterben dürften, so die Forscher Bezug nehmend auf ihre statistische Auswertung. Gefahr droht dabei vor allem Menschen in den tropischen Regionen Asiens, Subsahara-Afrikas und Südamerikas.

Auch die Heimat des Bakteriums, das bereits gegen viele Antibiotika resistent ist, liegt in Südostasien. Dort und im Norden Australiens findet man den Keim häufig im Boden. Menschen und Tiere infizieren sich beim Kontakt mit der Erde oder kontaminiertem Wasser über Wunden in der Haut oder beim Verschlucken. Der Keim benötigt eine recht hohe Durchschnittstemperatur, um zu wachsen, und kommt daher etwa im Norden Europas nicht vor. Trotzdem können sich hier Menschen an infiziertem Vieh anstecken. In Deutschland ist die Erkrankung nicht meldepflichtig, weshalb unklar ist, wie häufig sie hier zu Lande tatsächlich ist.

02/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02/2016

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