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Meereschemie: Eisen aus Grönland düngt den Nordatlantik

Ilulisaat-Gletscher

Der grönländische Eisschild versorgt den Ozean möglicherweise mit weitaus mehr Eisen als bisher vermutet. Ein Team um Maya Bhatia vom Ozeanografischen Institut Woods Hole fand im Schmelzwasser dreier Gletscher in Westgrönland mehr als die 100-fache Konzentration dessen, was man erwartet hatte. Damit könnten die Gletscher etwa so viel des Metalls in den Nordatlantik eintragen wie verwehter Staub, die mutmaßlich wichtigste Quelle. Eisen ist ein unverzichtbarer Nährstoff für Plankton, aber in den meisten Regionen des offenen Meeres extrem selten. Deswegen könnte das Schmelzwasser einen erheblichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Nordatlantiks haben.

Eisstrom in Grönland | Schmelzwasser, das unter den grönländischen Gletschern durchfließt, trifft dort auf verwitterndes Gestein und nimmt dabei Eisen auf.

Planktonblüten im nördlichen Atlantik hängen mit der Menge abfließenden Schmelzwassers aus Grönland zusammen, bisher hatten Forscher in Schmelzwasser nur wenige Nanomol Eisen gemessen – viel zu wenig, um den Effekt zu erklären. Die Forscherinnen fanden jedoch in ihren Proben aus Schmelzwasserströmen und einem Gletschersee einige zehn bis einige hundert Mikromol, zwei bis drei Größenordnungen mehr als in normalem Oberflächenwasser oder Schmelzwasser von der Oberseite des Eises.

Das untersuchte Wasser floss allerdings nicht oben auf dem Gletscher, sondern an seiner Sohle entlang, die Wissenschaftlerinnen vermuten deshalb, dass dort eisenreiches Gestein verwittert und das Element so freisetzt. Nach ihren Messungen ist etwa die Hälfte davon für Organismen nutzbar. Sollte das Ergebnis für grönländische Gletscher repräsentativ sein, dann würde der Eisschild den Nordatlantik jährlich mit etwa 300 000 Tonnen Eisen düngen – und wäre damit neben kontinentalem Staub aus der Atmosphäre die wichtigste Eisenquelle für Planktonblüten.

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