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Meeresungeheuer: Fossil zeigt kreidezeitliches Fressen und Gefressenwerden

Im Meer der Kreidezeit existierten einige furchteinflößende Reptilien, die Jagd aufeinander machten. Wie die Nahrungskette in Teilen aussah, zeigt ein australisches Fossil.
Eine künstlerische Darstellung zeigt eine dramatische Szene im Ozean, in der ein großer, urzeitlicher Meeresräuber mit langem, schmalem Maul und scharfen Zähnen einen fliegenden Fisch oder Vogel im Wasser fängt. Die Oberfläche des Wassers ist lebendig mit Spritzern und Wellen, die die Bewegung und Dynamik der Jagd betonen. Die Farben sind lebendig, mit tiefem Blau des Wassers und kontrastierenden Erdtönen des Raubtiers und seiner Beute.
Dieser Platypterygius erbeutet gerade einen Pterosaurier, ahnt aber nicht, dass er gleich selbst zur Beute wird.

Wo sich heute der trockene australische Outback erstreckt, schwammen während der Kreidezeit zahlreiche Meerestiere durch das Eromanga-Meer. In den Sedimentschichten der Region finden sich deshalb viele gut erhaltene Fossilien, und eines davon gewährt Einblick in die damaligen Nahrungsketten, wie ein Team um Matt White von der University of New England in Armidale berichtet: Die Wissenschaftler konnten anhand der Überreste rekonstruieren, dass hier ein Ichthyosaurier einen Pterosaurier erbeutete, bevor er selbst zum Opfer eines noch größeren Pliosauriers wurde.

Auf die Spur dieses Urzeitdramas kamen die Forscher, als sie die Versteinerung des Ichthyosauriers der Art Platypterygius australis genauer untersuchten: Diese Fischsaurier erreichten eine Länge von bis zu sieben Metern und ähnelten im Körperbau den heutigen Delfinen. Sie besaßen lange Schnauzen mit zahlreichen spitzen Zähnen, mit denen sie Fische oder Kopffüßer gut packen und zerreißen konnten. Im Magen entdeckten White und Co beim Durchleuchten mit einem Computertomografen neben den erwarteten Überresten der üblichen Beute auch zwei Bruchstücke eines Pterosaurier-Kiefers: Womöglich jagte dieser Flugsaurier nahe der Wasseroberfläche nach Fischen, als er vom Ichthyosaurier geschnappt und selbst gefressen wurde. Es ist der erste direkte Nachweis einer derartigen Nahrung.

Doch unmittelbar danach wurde der Jäger zum Gejagten, denn das Fossil wies schwere Verletzungen auf, die kurz nach dem wahrscheinlich letzten Mahl entstanden sein müssen: Die Wirbelsäule war gebrochen, Rippen fehlten und viele Knochen zeigten große Bissspuren. Verschiedene Merkmale dieser Bisse deuten laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass sie dem lebenden Tier zugefügt wurden und nicht einem Kadaver. 

Als Jäger kommt laut der Arbeitsgruppe nach bisherigem Kenntnisstand nur ein Tier infrage, das damals ebenfalls im Eromanga-Meer lebte: der Pliosaurier Kronosaurus queenslandicus. Er gilt als Spitzenprädator des kreidezeitlichen Meers und erreichte Längen von mehr als zehn Metern. Die Meeresreptilien hatten kräftige Kiefer mit scharfen Zähnen, ähnlich wie heutige Krokodile. Der Nachweis dieser Dreierkette sei der erste eindeutige Beleg dafür, dass die drei Arten miteinander agierten, schreiben die Autoren in ihrer Studie. Dass Pterosaurier von schwimmenden Fressfeinden gepackt werden konnten, belegt zudem ein kanadisches Fossil: Hier hatte ein Urzeitkrokodil einen dieser Flugsaurier geschnappt.

  • Quellen

White, A. et al., Gondwana Research 10.1016/j.gr.2026.05.014, 2026

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