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Prinz-William-Sund: Megatsunami bedroht Urlaubsregion

In Alaska wird eine Bergflanke instabil. Die Rutschung ist um ein Vielfaches größer als jene, die in der Vergangenheit hunderte Meter hohe Wellen auslösten.
Hafenbereich des Ortes Whittier in AlaskaLaden...

Ein instabiler Berghang in einer Touristenregion in Alaska könnte schon innerhalb des nächsten Jahres in den Meeresarm rutschen und einen gigantischen Tsunami auslösen, warnt eine Gruppe von Fachleuten in einem offenen Brief. Die entstehenden Wellen bedrohen den Prinz-William-Sund, ein beliebtes Urlaubsgebiet und Fischereirevier, sowie den kleinen Hafen Whittier, in dem auch Kreuzfahrtschiffe anlegen. Nach Angaben der Hydrologin Anna Liljedahl vom Woods Hole Research Center, die den drohenden Erdrutsch entdeckte und auch den offenen Brief mitverfasste, ist die instabile Gesteinsmasse so enorm, dass die Katastrophe außerdem ein Erdbeben der Magnitude 7 verursachen könnte. In der Region halten sich laut Statistiken der Behörden regelmäßig bis zu mehrere tausend Menschen auf.

Der mögliche Erdrutsch fiel auf, weil sich der Berghang schon seit Jahren langsam bewegt. Dadurch entstand an seinem oberen Rand eine gigantische, mehr als zwei Kilometer lange Bruchkante, die sogar in Satellitenbildern deutlich erkennbar ist. Ursache der Rutschung ist, dass sich der benachbarte Barry-Gletscher zurückzieht und den übersteilten Hang nicht mehr stützt. Wann und in welchem Ausmaß der Erdrutsch tatsächlich stattfindet, ist unklar, denn solche Ereignisse können durch kleinere zufälliger Ereignisse wie starke Regenfälle ausgelöst werden. Die Arbeitsgruppe hält einen Zeitpunkt innerhalb des nächsten Jahres für möglich, innerhalb der nächsten 20 Jahre für wahrscheinlich.

Megatsunamis sind in arktischen Fjordlandschaften recht häufig, in den allermeisten Fällen treffen sie jedoch nahezu menschenleere Gegenden. Zuletzt löste 2017 ein Erdrutsch in Grönland eine Welle aus, die am gegenüberliegenden Hang fast 90 Meter hoch war – vier Menschen starben. Der größte derartige Tsunami in historischer Zeit erreichte 1958 in Alaskas Lituja Bay über 500 Meter Höhe, dort gab es aber ebenfalls nur zwei Tote. Am Prinz-William-Sund allerdings könnten die Konsequenzen ungleich tragischer sein, warnt die Expertengruppe um Liljedahl.

Nicht nur sind potenziell viel mehr Menschen bedroht, die rutschende Gesteinsmasse ist mit 500 Millionen Kubikmeter auch weit größer als die vorherigen Erdrutsche. Laut vorläufigen Modellierungen der Gruppe könnte der Tsunami im entfernten und in einem Nebenarm des Sunds gelegenen Yacht- und Kreuzfahrtschiffhafen Whittier noch zehn Meter Höhe erreichen – wenn tatsächlich der Hang komplett in den Fjord rutscht.

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