Epidemie in Zentralafrika: Mehr als 1400 Tote bei Ebolaausbruch im Kongo

Die Ebolaepidemie in der Demokratischen Republik Kongo weitet sich aus. 1405 Menschen sind seit Ende April nachweislich an dem Virus gestorben, wie aus Zahlen der kongolesischen Gesundheitsbehörden hervorgeht. Die Anzahl der im Labor bestätigten Infektionen stieg auf 3200. Den Behördenangaben zufolge liegt die Todesrate derzeit bei 44 Prozent – das bedeutet, beinahe jede zweite nachgewiesene Ansteckung endet tödlich. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer an Infektionen aus, die bislang nicht erkannt oder nicht gemeldet wurden. Die tatsächliche Todesrate kann daher von der behördlich gemeldeten abweichen.
Fachleute nehmen an, dass sich die Seuche während des Frühjahrs wochenlang unbemerkt im Ostkongo ausgebreitet hat. Verschiedene Gründe erschweren es, die Krankheit einzudämmen: In der Region kämpfen bewaffnete Gruppen und Milizen um rohstoffreiche Gebiete; zahlreiche Menschen sind auf der Flucht; das Gesundheitssystem ist vielerorts schwach entwickelt; teilweise besteht großes Misstrauen gegenüber den Helfern; und es stehen weniger internationale Hilfsgelder zur Verfügung als bei früheren Ausbrüchen, unter anderem weil die Trump-Regierung einschlägige Hilfsprogramme gekürzt hat.
In der Demokratischen Republik Kongo leben etwa 116 Millionen Menschen. Bislang sind in 5 ihrer 26 Provinzen nachweislich Ebolainfektionen aufgetreten, wobei die nordöstliche Provinz Ituri das Ausbruchszentrum darstellt. Ituri grenzt an den Südsudan und an Uganda, wo ebenfalls Ebolafälle dokumentiert worden sind, von denen mindestens zwei tödlich ausgingen. Ende Juni sorgte der Fall eines französischen Arztes für Aufsehen, der vor Ort humanitäre Hilfe geleistet, sich dabei angesteckt hatte und nach seiner Rückkehr nach Frankreich in eine Spezialklinik eingeliefert worden war. Der Mann ist inzwischen wieder als genesen entlassen worden.
Das Ebolafieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Ihre Erreger, Viren aus der Gattung Orthoebolavirus, werden durch Körperkontakt übertragen, vor allem über Körperflüssigkeiten. Der aktuelle Ausbruch im Kongo ist unter anderem auch deshalb schwer einzudämmen, weil es für den grassierenden Erreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen speziellen Impfstoff noch eine gezielte Therapie gibt. Seit Anfang Juli laufen klinische Tests zweier antiviraler Therapieverfahren.
Es ist bereits der 17. bekannte Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo. Zunehmende Bevölkerungsdichte und wachsende Mobilität tragen dazu bei, dass Ebolaepidemien tendenziell mehr Menschen betreffen als früher. Zugleich sind das Gesundheitssystem und die internationalen Hilfsmaßnahmen immer besser in der Lage, solche Ausbrüche einzudämmen.
In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ebolaausbruch in Westafrika mehr als 11 000 Menschen gestorben. Beim zweitschwersten erfassten Ausbruch von 2018 bis 2020 im Ostkongo starben rund 2300 Menschen. Gemessen an den Opferzahlen handelt es sich bei der aktuellen Ebolaepidemie um die drittschwerste seit Beginn der Aufzeichnungen. (dpa/fs)
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