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Evolutionsbiologie: Mehrfache Einwanderung bereichert Genpool invasiver Arten

Der Erfolg invasiver Arten könnte darin begründet sein, dass sie durch mehrmalige Einwanderung von Angehörigen verschiedener Populationen die Vielfalt ihres Erbgutes verbessern. Wie Jason Kolbe von der Washington-Universität und seine Mitarbeiter berichten, kann sie dadurch sogar größer werden als in den jeweiligen Ausgangslebensgemeinschaften. Dies zeigten die Wissenschaftler an dem Braunanolis (Anolis sagrei), der inzwischen ausgehend von seiner karibischen Heimat über Florida inzwischen bis Hawaii und Taiwan gelangt ist.

Die Wissenschaftler untersuchten 600 Proben von Tieren aus 71 heimischen und 59 eingewanderten Lebensgemeinschaften. Dabei stellten die Forscher fest, dass die genetische Variation im ursprünglichen Verbreitungsgebiet regional sehr unterschiedlich und zwischen den Populationen größer als innerhalb derselben ist. Bei den Einwanderern in Florida fanden sie dann im Genom die Spuren mehrerer Herkunftspopulationen; die Reptilien mussten also mehrmals den Sprung aufs Festland gemacht und sich dort vermischt haben. Auf diese Weise vergrößerte sich die Vielfalt des Erbgutes gegenüber den heimischen Ahnen.

Solche mehrmaligen Einwanderungsereignisse, die zur Verschmelzung verschiedener Genpools führen, könnten ein altes Paradox in der Biologie invasiver Arten erklären. Denn eigentlich sollten Neugründungen von Lebensgemeinschaften, die ja nur einen Ausschnitt des gesamten Erbmaterials ihrer Ursprungsart mitbringen, selten Erfolg haben – ist die genetische Diversität gering, droht normalerweise das Aussterben. Bei invasiven Arten aber ist genau das Gegenteil der Fall, sie sind oft sogar in der Lage, angestammte Bewohner zu verdrängen.

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