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News: Mehrfamilien-Passivhaus

85 Prozent Energieeinsparung - bei nicht einmal sieben Prozent Mehrkosten. Diese hohen Ansprüche erreicht ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus mit Büroräumen in Freiburg. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE entwarf Energiekonzept, Tageslichtplanung und Kostenoptimierung für das Mehrfamilien-Passivhaus, das Mitte Mai bezugsfertig ist.
Freiburg im Breisgau, Siedlung Vauban: Hier war lange Zeit eine französische Garnison stationiert, nun wird kräftig gebaut. 1996 gründete eine handvoll Bauwilliger den Verein "Wohnen und Arbeiten", um gemeinsam ein Mehrfamilienhaus mit einer Wohn- und Bürofläche von 1  400 Quadratmetern zu errichten. Das neue Gebäude sollte nach Wunsch der Bauherrengemeinschaft ökologischen Ansprüchen gerecht werden. Deshalb wurde das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE mit der Entwicklung eines Energiekonzeptes beauftragt.

Das Ergebnis der umfassenden Planungen und Simulationen steht nun kurz vor der Fertigstellung: Basis für geringen Heizenergieverbrauch ist eine gut gedämmte Gebäudehülle. Die Schottenbaukonstruktion mit tragenden Querwänden aus Kalksandstein im Inneren und nichttragenden Außenwänden, die im wesentlichen der Wärmedämmung dienen, gewährleistet minimale Kosten und hohen ökologischen Standard. Die Ausrichtung nach Süden ermöglicht eine optimale Nutzung der Sonnenstrahlung. Der Fensteranteil an der Südfassade beträgt 50 Prozent, auf der Ost-, West- und Nordseite lediglich 20 Prozent.

Im Sommer übernehmen Solaranlagen auf dem Dach die Energieerzeugung: Eine 50 Quadratmeter große Photovoltaikanlage erzeugt Strom, 46 Quadratmeter Flachkollektoren sorgen für Warmwasser. Die Kollektoren dienen gleichzeitig der Überdachung des Laubengangs im obersten Geschoß – das spart Kosten. Im Winter liefert ein mit Erdgas betriebenes Klein-Blockheizkraftwerk Strom und Wärme. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem mit Plattenwärmetauschern sorgt für frische Luft und gewinnt 82 Prozent der Heizenergie aus der Abluft zurück.

Mit Hilfe von Computersimulation optimierten die Fraunhofer-Forscher die Tageslichtnutzung: So können die Wohn- und Arbeitsräume gut ausgeleuchtet und gleichzeitig eine Überhitzung im Sommer vermieden werden. Zum Gesamtkonzept gehört auch eine vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, konzipierte ökologische Sanitäranlage mit Vakuumtoiletten und Biogasanlage zur hauseigenen Kochgaserzeugung.

Ein konventioneller Neubau würde über 80 Prozent mehr Kohlendioxid emittieren als dieses Passivhaus, hat das ISE ermittelt. Die Wissenschaftler drückten die Mehrkosten auf weniger als sieben Prozent des Kaufpreises von 4 300,-DM pro Quadratmeter. Diese Zusatzinvestitionen werden sich in höchstens 20 Jahren amortisiert haben – berechnet nach den heute sehr niedrigen Energiepreisen.

"Langfristiges Ziel ist es", so Martin Ufheil, der Projektverantwortliche am ISE, "die Kosten für die Reduzierung der CO2-Emissionen in Richtung Null zu senken". Eine wichtiges Resultat der Forschungsarbeiten: Die Wirtschaftlichkeit von Solarsystemen verbessert sich beim Einsatz in Mehrfamilienhäusern deutlich.

Im Herbst ist bereits der Spatenstich für ein Nachfolgeprojekt in der Siedlung Vauban: Die zusätzlichen Investitionskosten sollen dann noch geringer ausfallen.

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