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News: Mein Therapeut, der Computer

Heutzutage schreiben Computer Briefe, planen den nächsten Einkauf, machen die Steuererklärung, helfen den Kindern bei den Hausaufgaben - und fungieren als Psychotherapeut bei Phobien, Schlaflosigkeit und anderen seelischen Problemen. Per Frage-Antwort-Spiel analysiert ein Programm die Sorgen des Nutzers und entwickelt mit ihm eine passende Behandlung.
Die interaktive Multimedia-CD-ROM des klinischen Psychologen Jim White von der Lansdown-Klinik in Glasgow ist noch nicht im Handel erhältlich. Aber sie könnte ein Verkaufsschlager werden, denn an die Stelle von bombenwerfenden Monster oder der Jagd auf feindliche Alienstreten treten das eigene Ich und die Bewältigung von Ängsten und Problemen.

Auf der Tagung der Division of Clinical Psychology der British Psychological Society hat White am 11. April 1999 die Ergebnisse seiner Studie dem Fachpublikum vorgestellt. Zusammen mit seinen Kollegen Ray Jones, Eliedh McGarry und Blair Cowan von der University of Glasgow hat er ein therapeutisches Computersystem entwickelt und in den Praxen von Allgemeinmedizinern installiert. Als Eingabemedium diente ein Touchscreen, damit auch Klienten ohne Computererfahrung mit dem Programm umgehen konnten.

Insgesamt 26 Personen mit schweren chronischen Angststörungen haben an dem Versuch teilgenommen. Sie alle lebten in einer einkommensschwachen Gegend in Westschottland. Die Wissenschaftler gaben ihnen eine Einführung am Computer und zwei betreute Behandlungssitzungen. Der Computer stellte Fragen und brachte den Menschen dadurch die Hintergründe ihrer Ängste näher. Auf Grundlage der Antworten konnten sie dann ihre eigene Behandlungsstrategie entwerfen.

Sechs Monate lang beobachtete White die Versuchspersonen. Er berichtete, daß es nach seinen Erkenntnissen in diesem Zeitraum fast allen besser ging, etwa bei der Hälfte waren sogar besonders auffällige Fortschritte zu verzeichnen. Mehr als dreiviertel der Probanden gaben an, sie würden anderen Leuten den Computer wärmstens empfehlen. Viele hatten anscheinend die Haltung zu den Gründen ihrer Angst geändert.

Whites Meinung nach hat die Untersuchung gezeigt, daß diese Therapieform effektiv, einfach zu bekommen, leicht zu verstehen und von persönlicher Relevanz für die Klienten ist. "Das System hilft zu gewährleisten, daß Menschen, die einer Therapie bedürfen, diese auch schnell bekommen", sagte er.

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