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Infektionen: Meningitis durch Zungenküsse

Küssen könnte lebensgefährlich sein, warnen australische Wissenschaftler: Der Austausch von Zungenküssen mit vielen Partnern vervierfache das Risiko einer Infektion mit Meningokokken.

Im Rahmen ihrer Studie hatten die Forscher um Robert Booy vom National Centre for Immunisation Research and Surveillance 144 britische Teenager, die wegen einer Meningokokken-Infektion im Krankenhaus behandelt wurden, nach ihren Kussgewohnheiten und ihrer Vorgeschichte befragt. Im Fokus standen dabei alle Faktoren, die das Infektionsrisiko in irgendeiner Weise beinflussen könnten. Zudem entnahmen die Forscher Blutproben und Schleimhaut-Abstriche, wobei in jedem Fall ein Vergleich der Daten mit denen eines gesunden Altersgenossen durchgeführt wurde.

Wie sich zeigte, erscheint nicht nur das Küssen mit wechselnden Partnern als besonders risikoträchtig, sondern auch in der Schule lauern den Forscher zufolge viele Möglichkeiten, sich mit den gefährlichen Bakterien anzustecken. Als vergleichsweise keimfreie Zone erwiesen sich im Gegenzug religiöse Veranstaltungen.

Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die bei fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung im Rachenraum gefunden werden – ohne den Trägern selbst gefährlich zu werden. Gelangen sie jedoch ins Blut, drohen Hirnhautentzündung und Blutvergiftung. Laut Statistik ist die Anzahl der Erkrankungen und Todesfälle bei Teenagern in England und den Vereinigten Staaten während der 1990er Jahre drastisch angestiegen.

Durch mehr Zurückhaltung im sozialen Miteinander ließe sich nach Meinung der Forscher das Ansteckungsrisiko unter Jugendlichen deutlich reduzieren. Doch ist ihnen klar, dass entsprechende Kampagnen bei den meisten Vertretern dieser Zielgruppe wenig Früchte tragen würden. Sinnvoller sei es, die Energie in die Entwicklung effizienterer Impfstoffe zu stecken.
11.02.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11.02.2006

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