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Ökosysteme: Mensch macht sich auch in der Antarktis breit

Das Land rund um den Südpol gilt als eine der letzten großen Wildnisregionen der Erde. Doch auch hier müssen Tiere mit unserer Infrastruktur konkurrieren.
Forschungsstation in der AntarktisLaden...

Die Antarktis ist ein lebensfeindlicher Kontinent – zumindest für uns Menschen, die wir dort nur mit hohem Aufwand überleben können. Dennoch machen wir uns auch dort breit. Das geschieht zwar überwiegend im Namen der Wissenschaft, doch konkurrieren unsere Forschungsstationen mit den antarktischen Tieren um den knapp bemessenen Lebensraum an der Küste. Die Größe unseres ökologischen Fußabdrucks haben Shaun Brooks von der University of Tasmania und sein Team in »Nature Sustainability« erstmals ausführlich kalkuliert. Gebäude und andere Infrastruktureinrichtungen bedecken demnach zwar nur 0,39 Quadratkilometer, der gesamte beeinflusste Bereich umfasst tatsächlich aber schon 93 000 Quadratkilometer. In diesem Gebiet sieht man die Spuren menschlichen Handelns, die Gebäude oder hört den damit zusammenhängenden Lärm.

Die gesamte Landfläche der Antarktis beträgt 13,2 Millionen Quadratkilometer, der größte Teil davon wird von Eis bedeckt. Deutlich kleiner ist der für Tiere nutzbare Bereich an der Küste: Nur 0,44 Prozent der Antarktis sind eisfrei, doch konzentriere sich dort unsere Aktivität, so die Wissenschaftler. 81 Prozent aller Gebäude der Region stehen in diesen leichter zugänglichen Gebieten, die viele Vogelarten und Meeressäuger zumindest zeitweise aufsuchen. Brooks befürchtet, dass dieser Fußabdruck erst der Beginn ist. Viele Länder wollten ihre Forschungsaktivitäten in der Antarktis ausweiten; zudem nehme der Tourismus in der Region zu. Neben direkten Folgen erwarten die Wissenschaftler auch indirekte Einflüsse – etwa das Einschleppen invasiver Arten, welche die relativ unberührten Ökosysteme verändern könnten. »Es gibt wachsende Spannungen, da der Zugangsdruck auf die Antarktis wächst, dem internationale Vereinbarungen zum Schutz des Kontinents entgegenstehen«, so Brooks in einer Mitteilung.

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