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Amazonas-Archäologie: Menschen siedelten schon früh auch in Amazonien

Bisher dachte man: Menschen kamen vielleicht schon früh nach Südamerika, siedelten aber erst spät, zumindest im Amazonasgebiet. Oder hat man frühe Spuren bisher einfach übersehen?
Spuren einer alten Siedlung: eine verdächtige Bauminsel Laden...

Womöglich haben Menschen schon viele Jahrtausende früher als gedacht feste Siedlungen im Amazonasbecken gebaut. Das schließen Forscher um José Capriles von der Pennsylvania State University zumindest aus Indizien, die sie bei gezielten Grabungen in Bolivien ans Licht gebracht haben: Sie fanden Spuren von Herdfeuern, verbrannter Erde und Kohle, Scherben und menschliche Überreste in Bodenschichten, die bis zu knapp 7000 Jahre alt waren.

Die Funde lagen in etwa zwei Meter Tiefe inmitten von drei »Waldinseln« – verdächtig runden, durch ihre typische Vegetation abgehobenen Arealen, die Archäologen als Hinweise darauf deuten, dass hier vor langer Zeit eine menschliche Siedlung gelegen hat. Die dort entdeckten Toten waren nach der Analyse ihres Gebisses wohl recht alt geworden und hatten sich eher vielfältig ernährt. In noch tieferen Schichten bargen die Ausgräber größere Mengen von Knochen von Jagdwild, Fischgräten und Weichtierschalen. Offenbar könnten vor Ort also schon ab einer Zeit vor 10 000 Jahren Menschen dauerhaft gelebt haben, spekulieren die Wissenschaftler in ihrer Studie im Fachblatt »Science Advances«.

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Bestattung in Amazonien | In der bolivianischen Grabungsstelle bei La Chacra fanden die Archäologen menschliche Überreste in rund zwei Meter Tiefe. Der Tote ist hier wohl vor 6250 bis 6820 Jahren beerdigt worden. Die Funde aus noch tieferen Schichten zeigen, dass hier Jäger und Sammler über einen langen Zeitraum gesiedelt haben.

Dies wäre ein Hinweis auf eine deutlich frühere Sesshaftigkeit als bisher: Man ist zwar anders als noch vor einigen Jahren auf Grund vieler Untersuchungen mittlerweile sicher, dass im Amazonasgebiet größere Siedlungen durchaus existiert haben und Menschen Landwirtschaft mit Maniok, Erdnüssen und Süßkartoffel getrieben haben. Allerdings hatte man vermutet, dass diese sesshaften Kulturen frühestens kurz vor der Zeitenwende entstanden sind, obwohl Menschen schon vor 13 000 bis 17 000 Jahren durch Amazonien gezogen sein dürften.

Die neuen Funde weisen darauf hin, dass einig Gruppen sich deutlich früher als gedacht auf Dauer an einem Ort einrichten konnten. Dabei handelte es sich jedoch kaum um agrarisch geprägte Siedlungen, sondern mehr um dauerhafte Zentren von Jägern und Sammlern, schließen Capriles und Co. Als direkte Vorläufer späterer Agrarkulturen kommen die uralten Siedler eher nicht in Frage: Die einstigen Siedlungen waren schon einige Jahrhunderte aufgegeben, als sich die Landwirtschaft im Amazonasbecken durchgesetzt hat.

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