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Menschheitsgeschichte: Denisovaner-DNA in früher Indonesierin

Das Erbgut einer jungen, rund 7000 Jahre alten Frau zeigt: Die Inselwelt zwischen Asien und Australien war einst ein Schmelztiegel der Menschenformen.
Das Skelett von Leang Panninge in situ.

Eine vor gut 7200 Jahren auf der indonesischen Insel Sulawesi beerdigte Frau hatte denisovanische Vorfahren. Demzufolge war diese zuerst in Sibirien identifizierte Menschenart offenbar weiter verbreitet als vermutet. Wie eine Arbeitsgruppe um Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in »Nature« berichtet, ähnelt das Erbgut der Frau dem der modernen australischen Ureinwohner und der Papua in Neuguinea, gehört aber zu einer separaten Linie, die sich vor 37 000 Jahren von diesen trennte. Alle drei Linien tragen Denisovaner-Erbe. Die Fachleute vermuten deswegen, dass Denisovaner nicht nur in der Region lebten, sondern dass die Inseln auch der Ort waren, an dem sie sich mit den Vorfahren der drei Linien vermischten.

Die in der Höhle von Leang Panninge gefundene, zum Zeitpunkt ihres Todes etwa 17 Jahre alte Frau gehörte zur toaleischen Kultur. Diese anhand ihrer Werkzeuge identifizierte Menschengruppe existierte vor 8000 bis etwa 1500 Jahren im Süden von Sulawesi. Genetische Vergleiche mit der heutigen Bevölkerung der als Wallacea bezeichneten Inseln in der Region zeigen, dass diese Gruppe keine Nachkommen hinterlassen hat. Was mit ihr geschah, ist unklar. Womöglich wurde sie in der Folge einer jüngeren Einwanderungswelle vor etwa 3500 Jahren verdrängt. Diese aus Asien kommenden Menschengruppen verdrängten einst Teile der ursprünglichen menschlichen Bevölkerung der Region, die zuerst vor zirka 50 000 Jahren eingewandert war.

Bemerkenswert ist der Fund von Leang Panninge auch deswegen, weil Menschen aus der gleichen Epoche wie die Frau, die weiter westlich in Richtung des Denisovaner-Kerngebiets in Asien lebten, keine Denisovaner-DNA besaßen. Das bedeutet, dass die Denisovaner-DNA in den Abstammungslinien von Australien, Neuguinea und Sulawesi möglicherweise erst in dieser Region ins Erbgut moderner Menschen gelangte. Damit könnte Wallacea – jene Inseln wie Sulawesi, die nicht auf den Kontinentalschelfen Australiens und Asiens liegen und daher auch bei niedrigem Meeresspiegel immer Inseln blieben – womöglich der entscheidende Ort gewesen sein, an dem Menschen lange Zeit mit Denisovanern koexistierten und sich mit ihnen vermischten.

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