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Evolution: Menschliche Blutgruppen sind uraltes Erbe

Blutproben im Labor

Vertreter der Blutgruppen A, B und 0 gibt es nicht nur unter uns. Auch das Blutgruppensystem vieler Affenarten basiert auf den drei Ausprägungen. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass diese Systematik bereits vor Millionen von Jahren erstmals aufgetreten sein muss  –  bei einem gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen, der sie gleichsam an beide vererbte.

Bereits vor längerer Zeit hatten Forscher nachgewiesen, dass beim Menschen die gleichen zwei Stellen im Genom über die Zuteilung zu den Blutgruppen A und B entscheiden wie bei Menschenaffen. Laure Ségurel und ihr Team von der University of Chicago untersuchten nun erneut das Blut verschiedener Affenarten. Die Ergebnisse offenbaren, dass selbst die Blutgruppen von evolutionär weit entfernten Verwandten des Menschen, beispielsweise Gibbons, auf der gleichen genetischen Basis beruhen.

Zuvor hatten Wissenschaftler angenommen, dass sich die Blutgruppen erst entwickelten, nachdem sich Menschen und einzelne Affenarten in ihren Abstammungslinien voneinander trennten. Nach dieser Theorie hätten sich die Blutgruppen von Menschen und Affen unabhängig voneinander, aber dennoch zum gleichen Ergebnis hin entwickelt. Evolutionsbiologen sprechen von einer so genannten konvergenten Entwicklung.

Die neuen Erkenntnisse seien jedoch unvereinbar mit diesem Modell, so die amerikanischen Forscher. Wenn selbst so entfernt verwandte Arten über das gleiche Blutgruppensystem verfügen, sei dies nur mit einem über Artgrenzen hinweg existierenden Polymorphismus zu erklären: Offenbar können beide Genvarianten parallel nebeneinander bestehen, ohne dass eine von ihnen im Zuge der natürlichen Auslese den Kürzeren ziehen würde.

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