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Gesundheit: Menschliche Körpertemperatur sinkt seit Jahrzehnten

Vergesst 37 Grad - heutzutage sind wir messbar kälter als im 19. Jahrhundert. Aber im Grunde ist das eine sehr gute Nachricht.
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Um etwa ein halbes Grad ist die durchschnittliche Körpertemperatur der Menschen in den Industrieländern in den letzten etwa 150 Jahren gesunken – und der traditionelle Richtwert von 37 Grad damit schon etwas zu hoch. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Julie Parsonnet von der Stanford University nach einer Auswertung von drei Kohortenstudien aus den USA ab dem Jahr 1960. Wie sie in »eLife« schreibt, steigt die Körpertemperatur, korrigiert für Faktoren wie Alter und Gewicht, je weiter man in den Geburtsjahrgängen zurückgeht, und zwar um etwa 0,03 Grad pro Jahrzehnt.

Männer, die im frühen 19. Jahrhundert geboren wurden, waren demnach um 0,59 Grad wärmer als heute, Frauen mit Geburtsjahrgängen um 1890 um 0,32 Grad. Schon vor einigen Jahren stellten mehrere Forschungsgruppen weltweit fest, dass sie um einige zehntel Grad niedrigere Körpertemperaturen maßen als die Mitte des 19. Jahrhunderts gefundenen 37 Grad. Nach Ansicht von Parsonnet und ihrem Team zeigt ihr Vergleich dreier Studien nun, dass der Effekt real ist und nicht auf systematischen Fehlern wie einer veränderten Messmethode basiert.

Ist der Mensch abgekühlt?

Veröffentlicht am: 16.01.2020

Laufzeit: 0:01:04

Sprache: deutsch

Die Körpertemperatur ist nicht nur ein Indiz für unseren Gesundheitszustand, sondern auch ein grobes Maß für die Stoffwechselrate: Wer mehr Energie verbraucht, ist wärmer. Tatsächlich gibt es auch in anderen Studien Hinweise darauf, dass die Stoffwechselrate bei Menschen heute niedriger ist als früher. Allerdings ist dieses Ergebnis auch erst einmal ein bisschen kurios, denn die meisten Menschen haben dank der reichhaltigeren Nahrung heute viel mehr Energie zur Verfügung als vor 150 Jahren. Doch es ist nicht das Angebot, das den Energieverbrauch steuert, sondern der Bedarf, vermuten Fachleute – und der ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken.

Je anspruchsvoller die Umwelt, desto höher ist nämlich der Energieverbrauch. Ein Körper, der es leichter hat, brennt auf kleinerer Flamme: Als wichtigsten Faktor für die geringere Temperatur halten Parsonnet und ihre Gruppe den besseren allgemeinen Gesundheitszustand. Besserer Lebensstandard, weniger chronische Infektionen durch Kriegsverletzungen, Zahnhygiene, weniger Tuberkulose und Malaria und vor allem Antibiotika trügen am meisten zum allgemeinen Rückgang chronischer Entzündungen in der Bevölkerung bei. Für diesen Erklärungsansatz spreche, dass eine kleine Studie aus Pakistan, das eine viel höhere Last an chronischen Entzündungen hat, höhere durchschnittliche Körpertemperaturen registrierte, so das Team.

03/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 03/2020

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