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News: Merkur enthüllt!

Während einer Pressekonferenz am 30. Januar 2008 stellten die an der US-Raumsonde Messenger beteiligten Forscher eine erste Bilanz des Merkurvorbeiflugs am 14. Januar vor. Merkur zeigte einige Überraschungen und ist dem Erdmond gar nicht so ähnlich wie bislang angenommen.
Die US-Raumsonde Messenger passiert den sonnennächsten Planeten Merkur
Mehr als drei Jahrzehnte stand der innerste Planet des Sonnensystems, Merkur, im Schatten der Raumflüge zu Mars, Venus oder zu den Gasplaneten im äußeren Sonnensystem. Den nach dem Götterboten der griechisch-römischen Mythologie benannten Himmelskörper besuchte bisher nur eine einzige Raumsonde, Mariner 10, die ihn in den Jahren 1974 und 1975 bei kurzen Vorbeiflügen dreimal aus der Nähe erkundete. Dabei konnte sie etwa 45 Prozent der Oberfläche des innersten Planeten erfassen. Sie präsentierte sich der Kamera der Sonde als eine pockennarbige kraterübersäte Ödnis.

Am 14. Januar 2008 stattete die US-Raumsonde Messenger Merkur eine kurze Stippvisite ab und konnte neben umfangreichen Messdaten rund 1200 Bilder seiner Oberfläche zur Erde übermitteln. Die Sonde soll im März 2011 in eine Umlaufbahn um den Merkur eintreten.

Den sichelförmigen Merkur lichtete Messenger beim Anflug ab. Dieses Komposit entstand aus Aufnahmen im sichtbaren und infraroten Licht. Merkur zeigt kaum farbige Regionen (Bild 1).
Merkur beim Anflug | Diese Falschfarbenaufnahme entstand beim Anflug von Messenger zum sonnennächsten Planeten. Das Bild zeigt die typische kraterübersäte Oberfläche des Merkur.
Dicht an der Tag-und-Nachtgrenze ist der 200 Kilometer große Einschlagkrater Vivaldi zu sehen, eine Detailaufnahme zeigt Bild 2.
Der Krater Vivaldi | Der Einschlagkrater Vivaldi ist etwa 200 Kilometer groß und besitzt zwei gut erhaltene Kraterwälle. Der innere Wall entstand beim Rückfedern der Merkurkruste nach dem Einschlag, ähnlich wie die Wasserringe in einem Teich, in den man einen Stein hineinwirft.
Er besitzt eine Doppelringstruktur, wie sie für große Krater typisch ist.

Den fast vollen Merkur nahm Messenger beim Abflug auf (Bild 3).
Merkur beim Abflug | Beim Abflug geriet die bisher unerforschte Hemisphäre des Merkur in den Blick von Messenger. Der helle Fleck rechts oben ist das Einschlagbecken Caloris. Mit einem Durchmesser von rund 1550 Kilometern ist es die größte Einschlagstruktur des sonnennächsten Planeten.
Der größte Teil der hier sichtbaren Regionen war bislang nicht bekannt. Im rechten oberen Teil der Merkurscheibe ist ein heller runder Fleck zu sehen. Es ist das etwa 1550 Kilometer große Einschlagbecken Caloris, die größte Kraterstruktur auf Merkur. Mariner 10 erfasste dieses Becken seinerzeit nur zur Hälfte. Überraschend war für die Forscher, dass Caloris deutlich größer als angenommen ist. Anhand der Bilder von Mariner 10 war man von einem Durchmesser von rund 1300 Kilometern ausgegangen.

Das Detailfoto (Bild 4) zeigt eine ungewöhnliche Struktur im Inneren von Caloris, die auf ehemalige vulkanische Aktivität hindeutet. Um den großen Einschlagkrater in der Bildmitte breiten sich Dutzende von Tälern aus, die an Grabenbrüche auf der Erde erinnern. Offenbar wölbte sich hier die Merkurkruste auf, wurde dabei überdehnt und brach ein. Die dunkle Farbe weist auf Auswürfe von Lava hin.
Vulkanische Spuren im Einschlagbecken Caloris | Nahe dem Zentrum des Einschlagbeckens Caloris befindet sich diese seltsame dunkle Struktur. In der Nähe des großen Einschlagkraters in der Bildmitte scheinen Dutzende schmaler Täler auszugehen, die an Grabenbrüche auf der Erde erinnern. Möglicherweise war hier ein vulkanisches Eruptionszentrum.


In Bild 5 ist eine Lavaebene zu sehen, am rechten Bildrand wird sie von einer bis zu zwei Kilometer hohen Verwerfung durchzogen. Sie entstand vor mehr als vier Milliarden Jahren, als das Innere von Merkur zu einem großen Teil erstarrte und sich dabei zusammenzog. Wie die Haut eines verschrumpelnden Apfels legte sich deshalb die bereits starre Kruste des Planeten in Falten. Derartige Strukturen sind von keinem anderen Planeten des Sonnensystems bekannt.
Eine Lavaebene mit Verwerfung | Nur auf Merkur zu sehen sind derartige Verwerfungen wie diese am rechten Bildrand. Sie entstanden, als der ganze Planet durch Abkühlung schrumpfte und dabei seine bereits feste Kruste wie bei einem austrocknenden Apfel in Falten warf.


Aber nicht nur die Oberfläche konnte Messenger erkunden. Mit ihren Magnetometern erkundete die Sonde das Magnetfeld des sonnennächsten Planeten und konnte endgültig bestätigen, dass es in seinem Inneren erzeugt wird. Bereits Mariner 10 war im Jahre 1974 auf das Magnetfeld gestoßen, aber es hielten sich Zweifel, ob es vielleicht durch das solare Magnetfeld und den Sonnenwind in der Oberfläche Merkurs induziert wird. Die Feldstärke entspricht etwa einem Prozent des irdischen Magnetfeldes, Hinweise auf Strahlungsgürtel konnte Messenger nicht entdecken.

Im Oktober 2008 und im September 2009 wird Messenger Merkur erneut überfliegen, bis er im März 2011 endgültig in eine Umlaufbahn um den innersten Planeten einschwenkt. Von den beiden Vorbeiflügen erhoffen sich die Forscher weitere Bilder und Messdaten. TA

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