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Meteore: Helle Feuerkugel über Süddeutschland gesichtet

Strichspur der Feuerkugel vom 31. März 2014

Update, 3. April 2014: Thomas Grau vom Europäischen Feuerkugel-Netzwerk teilte auf Anfrage mit, dass es sich bei dem Boliden vom 31. März 2014 um einen detonierenden Meteor gehandelt habe. Er war östlich des Schwarzwalds meist als dumpfer Knall zu hören, der zwei bis fünf Minuten nach dem Leuchtereignis auftrat. Der Himmelskörper traf extrem flach auf die Erdatmosphäre und leuchtete für rund 30 Sekunden am Himmel. Damit war er wohl deutlich größer als ein Fußball. Ob etwas Material des Meteors den Eintritt in die Erdatmosphäre überlebt hat und als Meteorit auf den Erdboden fiel, ist bislang unklar und bedarf weiterer Auswertungen. Gesucht werden nach wie vor Augenzeugen aus Bayern, die östlich von München etwas gesehen oder auch gehört haben. Sie können ihre Beobachtungen direkt an Herrn Grau, grau@erfm.eu, mailen – er freut sich auf ihre Mitteilungen.

Nein, es ist kein Aprilscherz: Gegen 22:34 Uhr MESZ sahen am 31. März 2014 zahlreiche Personen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und der nördlichen Schweiz einen hellen Meteor, der sich zu einer hellen Feuerkugel oder Boliden enwickelte. Für Sekundenbruchteile wurde diese wohl annähernd so hell wie der Vollmond. Die Beobachter berichten übereinstimmend, dass der Bolide relativ langsam von West nach Ost über den Himmel zog und mehrere Sekunden sichtbar war. Er leuchtete in einem hellgrünen Licht, manche Beobachter berichten auch von Schweifen, die rötlich wirkten. Von keinem Beobachter wurden bislang Geräusche wie Donnern oder ein Überschallknall gemeldet.

So beobachtete Kai Jagemann, der auf der Autobahn A6 in der Nähe des badischen Hockenheim unterwegs war, für rund fünf Sekunden ein Objekt mit einem hellen Schweif. Dieser erlosch dann, wobei das Objekt selbst noch für rund drei Sekunden sichtbar war und in östliche Richtung weiterflog. Wesentlich weiter östlich in der Ortschaft Berg unweit der oberschwäbischen Stadt Ravensburg sichtete Robert Dietz zur gleichen Zeit die Feuerkugel. Aus seiner Perspektive bewegte sich der Bolide nördlich von ihm von Westen her kommend in Richtung Südosten. Herr Dietz beschreibt eine Erscheinung, die zwischen zehn und zwölf Sekunden andauerte. Er berichtet über ein hellweißes Objekt mit leichtem Grünton, dessen Helligkeit schlagartig stark abnahm. Das Objekt bewegte sich 15- bis 20-mal schneller als ein typisches Verkehrsflugzeug über den Himmel, und es wurden keine Geräusche wie ein Knall vernommen.

Fisheye-Aufnahme der Feuerkugel vom 31. März 2014 | Vom Ort Blaustein in Süddeutschland konnte Thomas Tuchan dieses Weitwinkelbild der Feuerkugel vom 31. März 2014 erstellen. Die große Helligkeit des Boliden wird durch die Breite der Spur deutlich. Das Bild ist ein Komposit aus vielen Einzelaufnahmen, so dass die Feuerkugel als Serie von runden Flecken erscheint.

Zahlreiche weitere Beschreibungen dieser Feuerkugel finden sich im Forum des Arbeitskreises Meteore (AKM e.V.). Der Beobachter Thomas Tuchan präsentiert dort zwei Fisheye-Aufnahmen, die annähernd das gesamte Firmament erfassen. Sie zeigen den Boliden deutlich als helle Leuchtspur. Hermann Koberger aus Österreich gelang zudem eine Aufnahme der Feuerkugel aus relativ großer Entfernung.

Die Feuerkugel vom 31. März 2014 | Hermann Koberger aus Österreich konnte die Feuerkugel vom 31. März 2014 aus großer Entfernung als Strichspur aufnehmen. Sie leuchtete für ihn westnordwestlicher Richtung auf.

Trotz der Auffälligkeit dieser Feuerkugel lässt sich derzeit nicht sagen, ob Bruchstücke eines Meteoriten den Erdboden erreicht haben. Für eine Leuchterscheinung dieser Intensität reicht ein Gesteinsbrocken von der Größe eines Fußballs aus, der je nach Eintrittsgeschwindigkeit auch vollständig verglühen kann. Jegliche Meteoritenbruchstücke dürften daher eher klein und unauffällig sein. In den nächsten Tagen werden professionelle Meteoritenforscher die Eintrittsbahn des Boliden aus den vorhandenen Bilddaten berechnen und abschätzen, ob überhaupt mit Meteoritenbruchstücken zu rechnen ist und wo diese aufgeschlagen sein könnten.


Meteorit, Meteor, Bolide, Feuerkugel, Feuerball – was ist was?
Meteor, SternschnuppeLeuchterscheinung am Himmel, die durch den Eintritt eines Körpers in die Erdatmosphäre hervorgerufen wird. Wegen der großen Geschwindigkeit solcher Objekte werden die Atome der Atmosphäre stark aufgeheizt und ionisiert. Dies führt zum Leuchten. Meteore verglühen in Abhängigkeit von ihrer Größe meist vollständig beim Eintritt. Ab etwa Fußballgröße können Reste den Erdboden erreichen.
Bolide, Feuerkugel, FeuerballSynonyme Begriffe für einen sehr leuchtstarken Meteor. Ihre Helligkeit kann für kurze Zeit (wenige Sekunden) die Helligkeit des Vollmonds oder gar der Sonne erreichen. Die Größe der Eintrittskörper beginnt bei rund einem halben Meter. Ein Beispiel für eine sonnenhelle Feuerkugel war der Fall von Tscheljabinsk am 15. Februar 2013.
Meteoroid Ein Himmelskörper vor seinem Eintritt in die Erdatmosphäre. Es gibt keine scharfe Größenabgrenzung des Eintrittskörpers. Sie können staubkorngroß sein, aber auch mehrere Meter Durchmesser aufweisen.
Asteroid, Kleinplanet, PlanetoidSynonyme Begriffe für einen Himmelskörper deutlich kleiner als ein Planet im Umlauf um die Sonne. Der Großteil der Asteroiden umrundet die Sonne zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Einige dieser Objekte kreuzen die Erdbahn oder kommen ihr nahe. Mit Häufigkeiten, die mit größerem Durchmesser stark abnehmen, kollidieren manche mit der Erde. Objekte von Metergröße treffen im Schnitt einmal pro Monat irgendwo auf die Erde. Körper mit Kilometerdurchmessern kollidieren im Schnitt nur im Abstand von vielen Millionen Jahren mit unserem Planeten.
MeteoritEin Brocken aus Gestein oder Metall, der nach einer Meteorerscheinung auf dem Erdboden gefunden wird. Die größten Objekte dieser Art haben eine Masse von mehreren Dutzend Tonnen bei Größen von mehreren Metern.

Falls sie in Bayern wohnen und beispielsweise ein kleines Loch in ihrem Ziegeldach bemerken oder scheinbar jemand ihnen einen kleinen schwarzen Stein auf ihr Auto geworfen hat, könnte es sich lohnen, genauer hinzuschauen. Sollten Sie tatsächlich einen ungewöhnlichen Stein finden, dann nehmen sie mit einem geowissenschaftlichen Institut in ihrer Nähe Kontakt auf, um die Sache abzuklären. Frisch gefallene Meteoriten sind unter Wissenschaftlern und Sammlern heiß begehrt, rare Exemplare können sogar das Mehrfache des Goldpreises pro Gramm erlösen.

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