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Meteor von Koblenz: Elf Gesteinsteile nach Einschlag von Meteoriten gefunden

Der größte Fund ist laut Polizei so groß wie ein Tennisball. Doch es sind noch weitere kleine Fragmente des Meteors in und um das Wohnhaus in Koblenz aufgetaucht.
Eine braune Papiertüte liegt auf einem gepflasterten Boden. Auf der Tüte befindet sich ein kleiner, unregelmäßig geformter Stein. Die Szene ist bei schwachem Licht aufgenommen, was Schatten auf dem Boden erzeugt.
Meteoritenjäger suchen rund um den Ort des Einschlags nach Überresten des Himmelskörpers. Dieser Brocken wurde noch am 8. März gefunden.

Nach dem Einschlag eines Meteoriten in ein Koblenzer Hausdach sind inzwischen insgesamt elf Gesteinsstücke gefunden worden. Neben dem größten Stein, etwa so groß wie ein Tennisball, seien noch zehn weitere Fragmente in und am Wohnanwesen entdeckt worden, teilte die Polizei in Koblenz mit. Sie hätten ein Gewicht von 6 bis 161 Gramm.

»Laienhaft betrachtet handelt es sich um ›Gestein‹«, teilte die Polizei mit. Eine genauere Einordnung könne nur durch einen Sachverständigen erfolgen. Bislang sei bloß der Schaden an dem Wohnhaus im Koblenzer Stadtteil Güls bekannt. Die Polizei teilte mit, sie suche nicht aktiv nach weiteren Gesteinsteilen.

Wem gehören die Steine?

Inzwischen seien die Besitzansprüche geklärt: Demnach stehe der Fund dem Grundstückseigentümer zu, der selbst über den weiteren Verbleib entscheiden könne, teilte die Polizei mit. Das Gestein, das sich noch in der Verwahrung der Polizei befinde, werde heute übergeben. Angaben zum Eigentümer mache die Polizei nicht.

Es habe sich bereits ein Experte des Instituts für Planetologie dafür interessiert gezeigt, den größten Stein in Augenschein zu nehmen, hieß es vonseiten der Polizei.

Bei dem Einschlag am Sonntagabend entstand nach Angaben des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz ein etwa fußballgroßes Loch. Der Meteoritenteil traf erst das Dach und dann das Schlafzimmer des Hauses – verletzt wurde aber niemand.

Erste Bahnberechnungen liegen vor

Nachdem Fachleute der International Meteor Organization (IMO) erste Bahnberechnungen durchgeführt haben, die auf optischen Beobachtungen beruhten, haben nun Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) das Ereignis mit einer anderen Methode analysiert und dabei eine genauere Flugbahn berechnet. Dazu werteten sie Signale von Erdbebenmessstationen aus.

»Beim Eintritt in die Atmosphäre erzeugt ein schneller Meteoroid eine Druckwelle, die sich wie ein Mach-Kegel – also der typische Überschallkegel eines sehr schnellen Objekts – ausbreitet«, erklärt Dario Eickhoff vom Geophysikalischen Institut (GPI) des KIT in einer Pressemitteilung der Forschungseinrichtung. »Empfindliche Seismometer können diese schwachen Schallwellen registrieren. Aus den Ankunftszeiten an verschiedenen Messstationen lässt sich die Flugbahn des Meteoroids rekonstruieren.« Eine präzise Ermittlung der Flugbahn könne auch dabei helfen, weitere Meteoritenfragmente zu finden.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Meteoroid aus westlicher Richtung kam und zunächst Luxemburg sowie die Eifel überflog, bevor Fragmente im Raum Koblenz niedergingen. Die berechnete Einschlagszeit ist 18:57 Uhr. Seismische Daten bieten nach Ansicht der Forschenden mehrere Vorteile für die Untersuchung solcher Ereignisse. »Es gibt deutlich mehr Erdbebenmessstationen als spezialisierte Meteorkameras«, sagt Joachim Ritter vom GPI, der die Arbeiten zu Erdbeben in der Eifel leitet. »Außerdem sind seismische Messungen unabhängig von Tageslicht oder Bewölkung möglich.« Besonders wertvoll sei die Methode in der Dunkelflugphase am Ende der Flugbahn, in der der Meteor nicht mehr leuchtet, seine Druckwelle jedoch weiterhin messbar bleibt. (dpa/jad)

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