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Meteoriten: Meteorit krachte in Zahnarztpraxis und wird zum Zankapfel

Eine Zahnarztpraxis im ländlichen US-Bundesstaat West Virginia erhielt vor rund zwei Monaten ungewöhnlichen Besuch: Ein rund 300 Gramm schwerer Steinmeteorit durchschlug das Dach des Behandlungsraums.
Der Lorton-Meteorit aus West Virginia
Immer wieder machen Meteoriten Schlagzeilen und der kleine Himmelskörper, der in der Stadt Lorton im ländlichen US-Bundesstaat West Virgina herunterfiel, bildete in diesem Punkt keine Ausnahme. Der 308 Gramm schwere Steinmeteorit von der Größe eines Tennisballs durchschlug das Dach des Behandlungsraums einer Zahnarztpraxis und zerbrach dabei in drei größere Teile und mehrere kleinere Splitter. Zum Glück befanden sich weder ein Zahnarzt noch ein Patient im Behandlungszimmer, als der Meteorit am 18. Januar 2010 um 17:45 Uhr Ortszeit lautstark eintraf.

Der Lorton-Meteorit aus West Virginia | Etwa so groß wie ein Tennisball ist der in mehrere Stücke zerbrochene Steinmeteorit, der am 18. Januar 2010 in der Stadt Lorton im US-Bundesstaat West Virginia vom Himmel fiel. Die dunkle Schmelzkruste, die durch die enorme Reibungshitze beim Durchflug durch die Erdatmosphäre entstand, ist deutlich zu erkennen.
Der im Nachbarraum etwa drei Meter von der Einschlagstelle befindliche Zahnarzt Dr. Frank Ciampi dachte bei dem Knall zunächst an ein aus dem Regal gefallenes Buch und war daher umso erstaunter, als er ein Loch in der Decke, Fetzen von Isoliermatten und Holzsplitter sowie kleine graue Gesteinsbrocken sah. Erst dachte Dr. Ciampi an ein Bauteil, das ein Flugzeug in großer Höhe verloren hatte, das dann in seine Praxis eingeschlagen wäre.

Später fragte er sich, was es noch mit den dunklen Brocken auf sich haben könnte. Am nächsten Tag gaben ihm Bekannte den Tipp, es könnte sich um einen Meteoriten handeln. Er nahm Kontakt mit dem American Musueum of Natural History der Smithsonian Institution in der US-Bundeshauptstadt Washington, DC, auf. Die Planetologin Cari Corrigan konnte nach einem kurzen Blick auf die Gesteinsbrocken bestätigen, dass sie Bruchstücke eines Meteoriten sind.

Sie wiesen auf der Außenseite eine dunkle Schmelzkruste aus geschmolzenem Gestein auf und es ließen sich kleine Körner aus glänzendem Metall erkennen, die aus Eisen und Nickel bestehen. Weitere präzise Untersuchungen stuften dann den Meteoriten als einen gewöhnlichen Chondriten des Typs L6 ein.

Der Lorton-Meteorit aus West Virginia | Etwa vier Zentimeter groß ist dieses Bruchstück des Steinmeteoriten, der am 18. Januar 2010 in der Stadt Lorton im US-Bundesstaat West Virginia vom Himmel fiel. Die dunkle Schmelzkruste, die durch die enorme Reibungshitze beim Durchflug durch die Erdatmosphäre entstand, ist deutlich zu erkennen.
L6-Chondriten stammen von einem Mutterkörper, der kurz nach seiner Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren so weit aufgeheizt wurde, dass die ursprünglich vorhandenen rundlichen Körner, die Chondren, mit der sie umgebenden Gesteinsmatrix so weit verbacken wurden, dass sie sich kaum noch erkennen lassen. "L" steht für "low iron", also einen niedrigen Gehalt an metallischem Eisen. L6-Chondriten gehören zu den häufigsten Steinmeteoriten.

Nun ist jedoch ein höchst irdischer Streit um den Besitz des Lorton-Meteoriten ausgebrochen. Während der Finder Frank Ciampi den Meteoriten dem Museum of Natural History überlassen möchte und den Finderlohn von 5000 Dollar den Opfern der Erdbebenkatastrophe von Haiti zukommen lassen will, pocht der Eigentümer des Gebäudes, in dem sich die Zahnarztpraxis befindet, auf die Herausgabe des Fundstücks.

Mittlerweile hat sich der Streit um den Besitz des Meteoriten schon zu den Anwälten des Arztes und den Gebäudeeigentümern verlagert, die gegensätzliche Standpunkte vertreten. Derzeit befindet sich der Stein des Anstoßes noch im Museum of Natural History in Washington, DC, und wird weiter wissenschaftlich untersucht. Noch ist nicht klar, ob es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung um den Besitz des Meteoriten kommen wird.

Obwohl es sich beim Lorton-Meteoriten aus wissenschaftlicher Sicht nicht um ein rares Exemplar handelt, hat er dennoch einen erheblichen finanziellen Wert. Er gehört zu den relativ wenigen Meteoriten, die bei ihrem Fall beobachtet wurden und dabei geringfügige Schäden anrichteten. Meteoritenbruchstücke aus solchen Fällen werden oftmals zu Grammpreisen gehandelt, die das Mehrfache des Goldpreises betragen können. Schätzungen von kommerziellen Meteoritenhändlern zufolge könnte der Lorton-Meteorit bei einem Verkauf mehr als 50 000 Dollar einbringen.

Tilmann Althaus

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