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Immunsystem: Mikroglia als Immunwächter im Hirn

Eine unerwartete Dreiecksbeziehung wirft Licht auf die Rolle von Mikrogliazellen im Gehirn: Wissenschaftler beobachteten einen Gendefekt, der bei Mäusen eine Verhaltensstörung auslösen kann, die sich mit Hilfe einer Knochenmarkstransplantation kurieren lässt. Diesen zunächst rätselhaften Zusammenhang untersuchte jetzt ein Forscherteam um Mario Carpecchi vom Howard Hughes Medical Institute in Salt Lake City und identifizierte Mikrogliazellen im Hirn der Nager als verbindendes Element.

Der Gendefekt im Gen Hoxb8 führte bei den Mäusen zu einem zwanghaften Putzverhalten – obwohl das Gen, wie alle Hox-Gene, eigentlich für seine Rolle bei der Entwicklung des Körperbaus bekannt ist. Die genetisch veränderten Tiere putzten sich und ihre Käfignachbarn derart heftig und ausgiebig, dass sie mitunter offene Wunden davontrugen. Wie sich herausstellte, verhinderte der Gendefekt, dass im Rückenmark gesunde Mikrogliazellen heranreiften und von dort aus ins Gehirn wanderten. Eine Knochenmarkstransplantation behob diese Störung: Die Mäuse verfügten fortan über gesunde Mikroglia, und der Putzzwang ließ nach.

Den Wissenschaftlern zufolge deutet dieser Befund darauf hin, dass Mikrogliazellen eine wichtige Funktion bei der Kontrolle der Immunreaktion im Gehirn übernehmen. Sie verfügen über lange Auswüchse, die in verschiedenste Hirnbereiche hineinragen und mit denen sie offenbar auch auf das Verhalten einiger Neuronengruppen Einfluss nehmen können. Dabei scheinen sie bei Bedarf das stereotypisierte Putzverhalten anzustoßen.

Bislang ist noch immer unklar, was alles zu den Aufgaben dieses Zelltyps zählt. Allerdings verdichten sich die Hinweise darauf, dass sie eine zentrale Rolle dabei spielen, die Immunaktivität im Gehirn zu beobachten und auf sie zu reagieren. (jd)

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  • Quellen
Chen, S. et al.: Hematopoietic Origin of Pathological Grooming in Hoxb8 Mutant Mice. In: Cell 141, S. 775–785, 2010.

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