Erderwärmung: Mikroplastik in der Luft könnte den Klimawandel verschlimmern

Eine neue Studie legt nahe, dass Mikroplastikpartikel in der Erdatmosphäre möglicherweise unbemerkt zur Erderwärmung beitragen.
Mikroplastik und Nanoplastik – winzige Teilchen zerfallener Plastikabfälle – verschmutzen die Flüsse, Ozeane, das Land und die Luft unseres Planeten. Bislang waren sich Forschende jedoch nicht sicher, welchen Einfluss all diese Plastikpartikel auf das sich ohnehin schon erwärmende Klima haben.
Eine neue Studie unter der Leitung von Forschenden der Fudan-Universität in China legt nahe, dass die Partikel die Erwärmung erheblich beeinflussen könnten. Zum Vergleich: Der Erwärmungseffekt von Mikroplastik entspricht etwa 16 Prozent des Effekts von Ruß.
»Diese Studie betont die Gefahren von Mikro- und Nanoplastik«, sagt Steve Allen, ein Mikroplastik-Forscher bei der Umweltorganisation Healthy Earth. Er war nicht an der Studie beteiligt.
Wenn Sie schon einmal barfuß auf Asphalt gelaufen sind, wissen Sie, dass dunkles Material Wärme absorbiert. Weiße Farbe auf Asphalt reflektiert sie hingegen. Das Gleiche geschieht mit Mikroplastik in der Luft: Dunklere Farben erwärmen die Atmosphäre, während hellere Farben dazu beitragen, sie abzukühlen. Indem die Forschenden der neuen Studie die optischen Eigenschaften verschiedener Mikroplastikpartikel analysierten und ihre Auswirkungen auf globaler Ebene simulierten, schlussfolgerten sie, dass die Erwärmungseigenschaften von Mikroplastik seine potenziellen Kühleffekte überwiegen. Aktuelle Klimamodelle berücksichtigen das nicht.
Die Ergebnisse wurden in Nature Climate Change veröffentlicht.
Die Ergebnisse enthüllen »einen lange übersehenen Zusammenhang« zwischen Kunststoffen und dem Klimawandel, sagte der Mitautor der Studie, Hongbo Fu, auf einer Pressekonferenz. Er ist Forscher an der Fudan-Universität in China. Kunststoffe seien nicht nur ein Umweltschadstoff. »Sie können auch als Erwärmungsfaktor in der Atmosphäre wirken«, sagte er.
»Wir müssen noch viel darüber lernen, wie viele dieser [Mikroplastikpartikel] sich genau in der Atmosphäre befinden und wie sie sich sowohl horizontal als auch vertikal verteilen«, sagte Drew Shindell, der leitende Autor der Studie und Professor für Geowissenschaften an der Duke University, auf derselben Pressekonferenz. »Dies ist noch nicht das letzte Wort.«
Es ist unklar, wie viele Mikroplastikpartikel sich tatsächlich in der Atmosphäre befinden. Das Forschungsteam argumentiert jedoch, dass globale Klimabewertungen, wie sie beispielsweise vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) veröffentlicht werden, auch das Mikroplastik berücksichtigen müssen. »Unsere Arbeit legt nahe, dass Klimamodelle aktualisiert werden müssen«, sagte Fu. »Der IPCC sollte dies zur Kenntnis nehmen.«
Allgemeiner betrachtet, so Allen, unterstreichen die Ergebnisse, dass wir unsere Abhängigkeit von Kunststoffen verringern müssen. Oft entstehen diese aus Nebenprodukten der fossilen Brennstoffproduktion.
»Was untersucht werden muss, sind die CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus der Kunststoffproduktion, die alle zum gesamten Klimawandel beitragen«, sagt er. Die »wichtigste Erkenntnis« sei, »dass wir den Klimawandel eindämmen können, indem wir unser Leben vom Plastik trennen«.
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