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Krebsforschung: Mikrotentakel helfen Krebs bei der Verbreitung

Mikrotentakel
Wenn sich gesunde Zellen von ihrem Gewebeverband lösen, ist ihr Tod vorprogrammiert. Entweder sterben sie durch eine Art Selbstzerstörungsmechanismus, oder der Blutkreislauf trägt sie in dünne Adern, die sie zerquetschen. Krebszellen können dagegen Monate oder gar Jahre isoliert im Körper überleben. Aus den engen Blutgefäßen zwängen sie sich durch mikroskopisch kleine Lücken und bilden in Organen wie Lunge, Gehirn oder Leber die gefürchteten Metastasen. Michael Matrone von der University of Maryland in College Park und seine Kollegen haben nun herausgefunden, dass einzelne Brustkrebszellen überdauern, indem sie sich mit Hilfe von mikroskopisch kleinen Tentakeln an den Wänden von dünnen Kapillaren anheften.

© University of Maryland Greenebaum Cancer Center
In enger Umarmung
Mit ihren Mikrotentakeln (grün) hält die eine der beiden Krebszellen (rot) ihren Nachbarn fest im Griff. Normalerweise dienen die Ärmchen zum Anheften an die Wände von Blutgefäßen.
Wie die Forscher entdeckten, fördert ein Protein namens tau die Ausbildung solcher winzigen Ärmchen. Es war zuvor schon in einigen chemotherapie-resistenten Brustkrebs-Typen nachgewiesen worden – einen Zusammenhang mit der Metastasenbildung hatte bisher jedoch niemand hergestellt. Nun fanden die Wissenschaftler bei mehr als der Hälfte der 102 untersuchten Patienten tau in den Tochtergeschwülsten, und häufig stieg die Menge des Proteins mit fortschreitender Erkrankung weiter an. Bei einigen Patienten war es in den Metastasen sogar dann nachweisbar, wenn es im ursprünglichen Tumor nicht vorkam.

Obwohl tau nach Matrones Ansicht noch nicht als sicheres Anzeichen von Metastasenbildung gelten kann, sehen die Wissenschaftler darin ein potenzielles Angriffsziel für Medikamente gegen die Verbreitung von Tumoren im Körper. Bisher hatte das Protein übrigens in einem ganz anderen Zusammenhang traurige Berühmtheit erlangt: als Hauptbestandteil neurofibrillärer Bündel im Gehirn von Alzheimerpatienten.

Julia von Sengbusch

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