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Mimikry: Spinne tarnt sich als Zombiepilz

Der Rücken des Tiers ähnelt einem parasitären Pilz, der aus einer vermeintlich toten Spinne wächst. In Wahrheit versteckt sich damit ein quicklebendiger Räuber vor seinen Fressfeinden und Opfern.
Eine Spinne sitzt auf einem grünen Blatt. Ihr Körper ist mit kleinen, weißen Punkten bedeckt. Neben der Spinne befindet sich ein braunes, kugelförmiges Objekt, das mit einem dünnen Stiel verbunden ist. Feine Spinnweben sind um die Spinne und das Objekt sichtbar.
Auffällig sind die beiden antennenförmigen Auswüchse am Hinterleib der Spinne, die an die Fruchtkörper des Schlauchpilzes erinnern. Bei der rundlichen braunen Struktur links im Bild handelt es sich um einen Eiersack der Spinne.

Zum ersten Mal haben Fachleute den Fall dokumentiert, dass eine Tierart einen parasitären »Zombiepilz« imitiert, um der Aufmerksamkeit von Fressfeinden und eigener Beute zu entgehen. Taczanowskia waska kommt im ecuadorianischen Amazonasgebiet vor, wo sie nun von einem Expertenteam im extrem artenreichen Llanganates-Sangay-Korridor aufgespürt wurde.

Details zu der Entdeckung macht die Gruppe um Nadine Dupérré vom Museum der Natur Hamburg des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) in der Fachzeitschrift »Zootaxa« publik.

Taczanowskia waska ahme den Fruchtkörper eines Pilzes der Gattung Gibellula nach, der auf Spinnen wächst, schreibt das LIB in einer Pressemitteilung. Zur Maskerade gehören verlängerte Strukturen am Hinterleib und die helle Oberfläche, die an die Farbe des Pilzes erinnert. Zusätzlich verharre die Spinne regungslos an der Unterseite von Blättern – genau dort, wo auch der Pilz typischerweise vorkomme. Vermutlich lasse das die Spinne uninteressant aussehen.

Leicht zu übersehen | … zumindest in einer Umgebung, in der parasitäre Pilze gängig sind.

Pilze der Gattung Gibellula gehören zur Familie der Cordycipitaceae, zu denen auch die bekannteren Cordyceps-Arten gezählt werden. Sie haben eine gewisse Berühmtheit erlangt für ihre Fähigkeit, ihre Opfer gewissermaßen fernzusteuern: Sie bringen sie beispielsweise dazu, in die Höhe zu klettern und sich an Blättern festzubeißen, was ihre Chancen auf Verbreitung erhöht. Auch bei einer europäischen Gibellula-Art ist diese Wirkung beobachtet worden.

Laut der Aussendung des LIB wurde das vermeintliche Pilzexemplar zunächst von Nutzerinnen und Nutzern der Plattform iNaturalist als Spinne erkannt. iNaturalist ist eine Datenbank für Naturbeobachtungen, zu der engagierte Laien weltweit beitragen können.

  • Quellen
Díaz-Guevara, D. et al., Zootaxa 10.11646/zootaxa.5760.5.4, 2026

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